„Das will ich aber gar nicht!“ lachte sie und zeigte kokett ihre blendend weißen Zähne, die gegen das tiefe Braun ihrer Gesichtsfarbe ganz besonders abstachen. „Ich will wissen, ob ich recht schön werd’, wenn Sie mich malen tun?“ frug die junge Frau und wiegte sich herausfordernd in den Hüften. „Wissen’s, extra schön, meine ich. Sonst hilft’s nix. Denn nur, wenn Sie mich so schön malen, daß die andern Weiber einen Neid kriegen, dann sind Sie ein g’machter Mann. Sie wissen gar nit, was das ausmacht, wenn die Weiber aufeinander einen Neid kriegen. A jede möcht’ doch die Schönste sein, nit wahr? Und da kommen’s g’laufen zu Ihnen, scharenweis! Und bitten tun’s Ihnen, daß Sie’s nur ja malen tun. Sie werden’s sehen, ich kenn’ meine Leut’!“

Laut und lustig lachte Frau Sophie über ihren Einfall. Dieses Lachen übte auf den Mann, der vor ihr saß, einen solchen Zauber aus, daß er unbedingt mitlachen mußte. Und dann lachten sie beide wie Kinder und hielten sich an den Händen.

Die Wirtin, die wieder einmal in die leere Stube kam, um nachzusehen, schlich leise davon und ging hinaus in die Küche, wo sie es der Köchin erzählte, daß es die Sophie tatsächlich scharf auf die Männer abgesehen habe. Und der Altwirth da drinnen habe schon wirklich Feuer gefangen ...

Mit einem ganz andern Humor und als ein völlig aufrechter Mann kam Felix nach Haus. Glückselig erzählte er Adele von der Begegnung, die er mit der Frau des Rechtsanwaltes gehabt hatte. Er berichtete, daß Sophie Rapp gleich morgen zu ihm kommen würde zur ersten Sitzung, und daß er sich von dem Erfolg dieses Bildes viel für seine Zukunft verspreche.

Ein leises Unbehagen beschlich Adele bei der Erzählung ihres Gatten. Sie wußte es selbst nicht, was es war, und vermochte sich keine Rechenschaft darüber zu geben. Aber es war ihr unangenehm, daß Felix mit Frau Sophie Rapp zusammengetroffen war.

Sie konnte sich nicht darüber freuen. Beinahe wäre es ihr lieber gewesen, wenn Felix sein Handwerk beim Weißen Hahn wieder aufgenommen hätte. So sehr sie sich anfangs dagegen gesträubt hatte und so ungeheuerlich sie es gefunden hatte, so enttäuscht war sie jetzt, als ihr Felix erklärte, daß er der Wirtin „den ganzen Krempel hingeworfen habe“.

„Und der Herr Rat? Was ist’s mit diesem Auftrag?“ fragte Adele leise und beklommen und sah ängstlich auf ihren Gatten.

„Der Rat Leonhard muß eben warten!“ erklärte Felix in festem Ton. „Ich bin jetzt nicht in der Stimmung ihn zu malen. Ein Künstler muß seine Stimmung ausnützen. Frau Doktor Rapp mit ihrer lustigen Art ist jetzt gerade recht für meinen Seelenzustand. Adele, du wirst sie lieb gewinnen, diese Frau. Sie ist wirklich reizend!“ schwärmte er.

Adele Altwirth saß, wie es ihre Gewohnheit war, in weicher Haltung, mit weit nach vorn gebeugtem Oberkörper, und stützte einen Arm auf das Knie. Sinnend sah sie auf den Gatten, und eine unbestimmte, beklemmende Angst bemächtigte sich ihrer. Felix bemerkte es trotz der freudigen Erregung, die ihn beherrschte und in der er sich vollauf nur mit sich selber beschäftigte.

„Du, Adele ... du bist doch nicht etwa eifersüchtig?“ frug er über eine Weile unvermittelt, indem er vor seiner Frau stehen blieb. Er war in dem Wohnzimmer erregt auf und ab gegangen und machte nun ein zufriedenes und erwartungsvolles Gesicht.