Da umschlang sie ihn mit ihren kräftigen Armen.
„Ich hab’ dich ja gern ... du ...“ jubelte sie. „So gern!“
Seiner Sinne nicht mehr mächtig riß Felix Altwirth das Weib mit so rasender Glut an sich, daß es aufschrie vor Schmerz.
Sophie küßte ihn in wilder, gieriger Freude. Und unter seinen ungestümen Küssen, die ihr fast weh taten, flüsterte sie keuchend: „Ich hab’ dich lieb, Felix! Noch nie hab’ ich einen Mann so gern gehabt.“ Die Glut ihrer Leidenschaft loderte auf ihn über. Entfesselte seine Sinne, wie sie niemals entfesselt worden waren ...
Nun folgten selige Wochen für Felix und Sophie. Ein schönes, mächtiges Gefühl zufriedenen Glückes erfüllte den Künstler. Wie in einem Taumel lebte er. Lebte nur für Sophie und in Sophie. Sie war sein ganzes Denken und Empfinden, sein Begehren und seine Leidenschaft. Und in diesem Gefühl, das ihn zur höchsten Arbeitskraft anspornte, schuf er, wie er noch nie geschaffen hatte in seinem Leben.
Gleich einer Siegerin, stolz und frei und glückselig betrat Frau Sophie Rapp jetzt täglich am frühen Nachmittag das kleine Häuschen droben bei der Weiherburg. Auch in ihr war eine Wandlung vorgegangen. Was sie zum Spiel angezettelt hatte als einen neuen Zeitvertreib, das ergriff sie nun übermächtig. Erweckte ein neues, nie gekanntes Gefühl in ihr und erfüllte sie mit stillem, seligem Glück.
In dem Egoismus der Glücklichen, die nur noch für einander lebten, achteten Felix und Sophie nicht darauf, daß Adele und ihr Töchterchen jetzt stets das Haus verlassen hatten, noch ehe Sophie zu Besuch kam.
Die einsame blonde Frau begleitete nun oft stundenlang den alten Rat Leonhard auf seinen stillen Wegen. Er sprach nicht viel mit ihr, der alte Herr. Aber er gab sich alle Mühe, gut und freundlich zu sein. Es berührte ihn ganz eigentümlich, daß er, der wunderliche alte Junggeselle, in dem Leben eines andern Menschen noch so viel bedeuten sollte. Er fühlte es, daß er der jungen, fremden Frau ein Halt geworden war. Der einzige Halt in ihrer Not.
Ruhig und anscheinend zufrieden schritt die hohe blonde Frau neben dem kleinen alten Herrn. Sie achtete nicht auf seine Schrullen, tat, als bemerke sie dieselben gar nicht. Sie war nur zufrieden darüber, daß sie einen Menschen gefunden hatte, schweigsam wie sie selber war und doch voll warmer, echter Teilnahme.
Adele erzählte dem alten Herrn nichts von den täglichen Besuchen der Frau Sophie Rapp, und sie sprach ihm nichts von dem Kummer, der sie drückte. Nur einmal sagte sie ihm, daß sie daran denke, fortzuziehen. Sie und die kleine Dora. Fort nach München. Sie würde sich glücklicher fühlen in der alten Heimat, meinte sie.