Es klang Traurigkeit in ihren Worten. Eine Resignation, die zu hören dem Arzt wehe tat. Max Storf war gleichfalls aufgestanden und führte die Hand der jungen Frau ehrfurchtsvoll an seine Lippen.

„Sie sind mir doch nicht böse, Herr Doktor?“ frug Adele warm.

„Nicht im mindesten, gnädige Frau!“ versicherte der Arzt. „Ich habe allen Grund, dankbar zu sein.“

„Dankbar? Wieso?“

„Weil ich in die Seele einer reinen Frau schauen durfte!“ entgegnete Max Storf mit Nachdruck. „Ich habe Sie jetzt erst kennen gelernt.“

Adele Altwirth überkam ein Gefühl des Dankes. Es war lange her, seitdem sie ein gutes, anerkennendes Wort gehört hatte. Es tat ihr wohl. So wohl, daß wieder nach langer Zeit jenes strahlende Lächeln ihr Gesicht verklärte, das ihr ganzes Wesen so warm und innig erscheinen ließ ...

Max Storf und Frau Adele sprachen von dieser Zeit an oft und gern miteinander. Sie wichen einander nicht mehr aus wie früher, sondern freuten sich darauf, sich zu sehen und wie alte, gute Freunde zu plaudern. Es lag eine Reinheit in dieser Freundschaft. Eine Reinheit, die auf der Grundlage einer gegenseitigen Wertschätzung beruhte. Sie waren beide glücklich darüber. Glücklich, daß sie sich gefunden hatten und einander etwas bedeuteten im Leben.

Fünfzehntes Kapitel.

Drunten am Saggen, in dem vornehmen Villenviertel Innsbrucks, wohnte Doktor Valentin Rapp mit seiner Frau nun schon seit einigen Jahren in einer kleinen Villa, die er sich nach seinem Geschmack hatte bauen lassen. Das erste Stockwerk dieses Hauses hatte der Rechtsanwalt für sich behalten, während er das Erdgeschoß vermietet hatte.