„Ja, Mannderl, was gibt’s denn?“ lachte Sophie und schälte ihm eine große, saftige Birne, die das Dienstmädchen auf einem Teller gebracht hatte. „Ist die nit herrlich?“ fragte sie, ihm die Birne zur Ansicht hinhaltend. „Die mußt du gleich kosten. Noch vor dem Essen. Damit du mehr Hunger kriegst.“ Dann steckte sie ihm eine Scheibe in den Mund und biß selbst von der Frucht ab. Übermütig lachte sie: „Gut war’s! Gelt?“
Der Rechtsanwalt hatte auch lachen müssen, denn bei der Teilung hatte sie den Löwenanteil abbekommen. „Kannst mir noch eine in den Mund stecken!“ sagte er jetzt, schon bedeutend freundlicher gestimmt.
„So ist’s recht!“ Sie nickte zufrieden mit dem Kopf und sah ihn dann neckisch an. „Gelt, Manni, der hat wieder einmal g’schimpft über mich?“ Sie deutete mit dem Finger nach dem hohen eisernen Gartentor, durch das der Besucher verschwunden war.
„G’schimpft nit!“ sagte der Advokat, an der Birne kauend, die sie ihm nun zum Abbeißen hinhielt. „Er hat nur gemeint, ich soll dich warnen ...“
„Das heißt, er wollte dich warnen, nicht mich!“ korrigierte sie ihn. „Mit wem hat er mich denn schon wieder im Verdacht?“ forschte sie und lachte dabei ausgelassen.
„Mit Felix Altwirth, dem Maler.“
Nun platzte Sophie geradezu vor Lachen. Konnte sich gar nicht mehr halten vor lauter Übermut. „Nein, so was, Schatz! Ist das ein Esel, dein Kollege! Das ist ja köstlich! Und so was will ein Menschenkenner sein! Ach, und du, du Dummerl, du lieb’s, du ungeschickt’s, du blödes, du hast’s ihm geglaubt! Ach du!“ Sie fiel ihm wie närrisch um den Hals und küßte ihn so heftig, daß er ihr sanft wehren mußte, da er keine Luft mehr bekam.
„Fressen könnt’ eins so ein Mannsbild, so ein dummes, vor lauter Lieb’!“ sagte sie und preßte sich innig an ihn. „Und immer wieder glaubt er so einen Schmarrn, so einen unsinnigen! Ich lauf’ dir schon noch davon, dir!“ drohte sie ihm scherzhaft. „Wenn du so eifersüchtig bist! Aber naa!“ meinte sie dann schalkhaft. „G’scheiter nit!“ Sie sah ihn sehr verliebt an. „Da müßt’ ich dich ja mitnehmen, dich Tschapperl, dich!“
Und alle Bedenken, die Valentin Rapp gehabt hatte, waren mit einem Male wie weggeblasen. Er lachte nun auch recht herzlich und schämte sich vor ihr, daß er so mißtrauisch gewesen war.
Ganz zaghaft warnte er sie dann: „Aber weißt, Sophie, vorsichtig mußt schon ein bissel sein mit deine Atelierbesuch’. Es ist wegen die Leut’. Ich hab’ ja nichts dagegen, wenn dich der Altwirth malt. Aber schön muß er mein Weiberl machen!“ sagte der Rechtsanwalt verliebt und küßte mit zufriedenem Behagen den vollen Mund des jungen Weibes ...