„Ich weiß es nicht, Sophie. Ich hab’ mich nicht danach erkundigt!“ gestand er ehrlich. „Aber ich werd’ nachfragen bei Gericht und ...“ fügte er lustig hinzu, „dir zulieb’ die Verteidigung der Karrner übernehmen.“

Sophie schüttelte heftig den Kopf.

„Nein!“ sagte sie gepreßt. „Nit von ihm.“

„Aber von ihr, gelt, Weiberl?“ neckte sie der Rechtsanwalt.

„Ja!“ erwiderte Sophie ernst. „Wenn es die Benedikta Zöttl ist. Dann schon.“

Es war tatsächlich der Gaudenz Keil, der in viehischem Jähzorn das Messer gegen seinen Kameraden gezogen hatte. Die Sophie frohlockte, als sie es hörte. Ganz unbändig vor Freude war sie darüber, daß der Gaudenz im Gefängnis saß.

„Wirklich, Mannderl? Ist’s wahr? Gaudenz Keil heißt er?“ fragte sie immer und immer wieder. „Wie sieht er denn aus? Und was sagt er denn? Das g’schieht ihm recht! G’hängt soll er werden ... der ...“ grollte sie. Ihre Augen hatten einen tiefen, feurigen Glanz. Sie haßte ihren ehemaligen Feind noch mit der gleichen Leidenschaft, wie sie es als Kind getan hatte.

„Ja ...“ sagte der Rechtsanwalt. „Und sie ist die Benedikta Zöttl.“ Etwas verlegen und unsicher sah er dabei auf seine Frau.

Sophie merkte es ihm an, daß er über die neu aufgetauchte Verwandtschaft wenig erbaut war. „Hast du mit ihr gesprochen?“ fragte sie den Gatten.

Valentin Rapp nickte. „Ja. Ich habe die Verteidigung übernommen!“ sagte er fast barsch.