Sophie fiel ihm um den Hals und küßte ihn stürmisch. „Mannderl, gut’s!“ lobte sie ihn und fuhr ihm streichelnd über sein rotes, aufgedunsenes Gesicht. „Und jetzt hab’ ich noch eine Bitt’ ... Du? ... Ja? ... Darf ich?“

„Was?“ fragte der Gatte kurz.

„Ich möcht’ reden mit ihr ...“ bat sie schüchtern.

„Muß es sein?“ fragte der Rechtsanwalt. „Ich möcht’ mir die Leut’ nit ins Haus zügeln.“

Sophie biß sich auf die Lippen. Die Rede tat ihr wehe.

„Nein!“ sagte sie dann traurig. „Wenn du nit willst ...“

„Na, also in Gottes Namen, red’ halt mit ihr!“ willigte Valentin Rapp ein. „Und der Karrner ... willst du den auch sehen?“ fragte er über eine Weile.

„Den!“ Sophie drehte sich blitzschnell um und sah den Gatten sprühend an. „Wenn er am Galgen hängt, ja! Sonst nit!“ —

Es war eine ganz kurze Szene des Wiedererkennens, die sich zwischen Mutter und Tochter abspielte. Apathisch, ohne Freude und ohne Liebe begrüßte die Karrnerin die junge Frau. Sie saß in einen Winkel gekauert und ganz in sich versunken da, als Sophie in Begleitung ihres Gatten, der ihr die Erlaubnis des Gerichtes für diesen Besuch erwirkt hatte, die Zelle des Gefängnisses betrat.

Ein altes, verhuzeltes, braunes, runzeliges Weib war die Benedikta geworden. Die Sophie fühlte einen ausgesprochenen körperlichen Widerwillen, als sie ihr die Hand zum Gruße bot. Beinahe reute es sie, daß sie sich von Neugierde hieher hatte treiben lassen.