„O ja!“ kam nun die Baurätin ihrer Schwester zu Hilfe. „Da muß ich schon bitten. Dazu ist die Kritik da, und die versteht’s auch!“ sagte sie mit einer Schärfe im Ton, die keinen Widerspruch zuließ.

„Die Hauptsache ist,“ stellte die Professorin fest, „daß der Altwirth jetzt ein Heidengeld verdient. Drei Bilder sollen ja schon wieder verkauft sein von der Ausstellung. Und die ist ja erst seit einer Woche.“

„Was das betrifft,“ meinte nun die Apothekerin, „so ist meinem Neffen, dem Maler Altwirth, dieser Erfolg schon zu vergönnen. Es kommt halt doch immer als das heraus, als was ich es gesagt habe ...“ behauptete Frau Tiefenbrunner mit bescheidener Würde. „Und ich hab’ immer gesagt zu meinem Mann ... Simon, hab’ ich gesagt, wirst sehen, unser Felix wird noch ein großer Künstler werden. Und der Simon hat mir auch geglaubt!“ versicherte die Apothekerin.

„Ich hätt’ ihm auch nit anders g’raten, dem Siemanndl!“ flüsterte die Professorin ihrer Nachbarin boshaft ins Ohr und stieß sie leise an, so daß diese vor unterdrücktem Lachen einen leichten Hustenanfall bekam.

Frau Tiefenbrunner sah mit vorwurfsvollem Blick in dem Kreis der Damen herum, die ihr jetzt alle aufmerksam zuhörten. „Es hat da in Innsbruck Leute gegeben,“ fuhr sie in ihrer langsamen Redeweise fort, „die für die Kunst des Felix Altwirth kein richtiges Verständnis haben aufbringen können. Aber das hat nix geschadet, wie Sie sehen, meine Damen!“ meinte die Apothekerin mit nachsichtigem Lächeln. „Und was ein Künstler ist, das bleibt halt eben ein Künstler!“ fügte sie weise hinzu.

„Besonders wenn sich eine Frau Doktor Rapp für so eine Kunst zu interessieren anfangt!“ sagte Frau Patscheider boshaft. Sie fühlte, daß die Apothekerin darauf ausging, ihren Gatten in den Augen der Damen herabzusetzen.

Frau Therese Tiefenbrunner parierte den Hieb. „Was das anbetrifft,“ fing sie langsam und gemächlich an, „so muß ich da schon sagen, daß ich es nicht unschön finden kann, wenn eine Dame ...“

„Dame!“ höhnte die Patscheiderin.

„Alsdann eine Frau,“ verbesserte die Apothekerin, „sich für einen Künstler und seine Kunst begeistern tut!“ Frau Therese Tiefenbrunner sah forschend in dem Kreise der Damen herum, um den Eindruck zu ergründen, den ihre Rede hervorgerufen hatte.

„Begeistern!“ machte die Patscheiderin. „Die und sich für die Kunst begeistern! Verliebt ist sie, und überg’schnappt ist sie, das närrische Weibsbild! Vor lauter Lieb’!“