Die Damen lachten hellauf. Sie gönnten es der Tiefenbrunnerin, daß die Patscheiderin sie so abfahren ließ. Sie kannten ja alle den Gesinnungswechsel der Apothekerin und wußten, daß sie jetzt, da der Erfolg für Felix Altwirth sprach, sich wieder zu ihm bekannte.

„Was glauben’s, was der jetzt eing’fallen ist!“ Die Patscheiderin machte ein hochwichtiges Gesicht. „Jetzt rennt das Weibsbild mei’m Mann nach. Mei’m Mann, sag’ ich Ihnen! Und wissen’s, warum? Weil sie sich einbildet, mein Mann, mein Mann ...“ die Patscheiderin wies, so oft sie das Wort „mein“ betonte, mit dem Zeigefinger auf ihren vollen Busen ... „soll dem Felix Altwirth eine Galerie bauen. Natürlich, damit er da drinnen alleweil seine Bildlen aufhängen könnt’!“ sagte sie eifrig. „Aber mein Mann will nix wissen von der Sach’ und sagt, daß der Altwirth spinnt. Und das ist auch a so! Dem fehlt’s im obern Stübel. Ich hab’ schon immer erzählen g’hört, daß alle Maler spinnen. Wird der keine Ausnahm’ machen!“

Die Patscheiderin hatte sich in eine förmliche Aufregung hineingeredet und sah jetzt wie eine Siegerin auf die Runde der Damen, die zum Teil laut aufschrien vor Lachen.

„A Galerie! So was!“ sagte die Frau Robler kopfschüttelnd. „Ja, ja! Unser Herrgott hat halt verschiedene Kostgänger!“ spottete sie dann.

„Wo soll denn die Galerie hinkommen?“ forschte die Baurätin neugierig. „Daß du davon nichts weißt?“ wandte sie sich vorwurfsvoll an ihre Schwester.

„Die kommt nirgends hin. Verlassen Sie sich drauf!“ erklärte die Frau Patscheider mit Bestimmtheit. „Wenn einmal mein Mann nein sagt, nacher bleibt’s auch dabei!“

Der Apothekerin war die Wendung, welche das Gespräch genommen hatte, entschieden unangenehm. Sie hatte einen ganz roten Kopf bekommen und meinte jetzt zu der Frau Baurat Goldrainer: „Überhaupt tu’ ich nit gerne sprechen von meinem Neffen, dem Maler Altwirth. Seitdem ich mich mit ihm überworfen hab’ ...“

„Ja, sagen’s mir einmal, Frau Tiefenbrunner,“ erkundigte sich die Frau Robler teilnehmend, „hat sie sich denn gar nit entschuldigt bei Ihnen, die Frau Altwirth?“

„Die?“ Frau Therese Tiefenbrunner blähte sich ordentlich auf in dem Bewußtsein schwer gekränkter Würde. „Die ... Wenn mir die da bei der Tür einer kommen tät’ ... wenn ...“

„Ah! Tun’s nit so, Frau Tiefenbrunner!“ lachte die Professorin. „Froh wären’s, wenn sie wieder zu Ihnen käm’ und ...“