Der lange Schmied sah mit ernstem Blick auf die Benedikta, die sich jetzt mühsam erhoben hatte und mit der Schürze das Blut, das ihr übers Gesicht lief, zu stillen suchte. „Also seid’s nit verheiratet ös zwoa?“
„Naa!“ sagte die Benedikta. Das kam so einfach und selbstverständlich über die Lippen des Weibes, daß die Umstehenden an diesem offenen Bekenntnis nicht einmal sonderlich Anstoß zu nehmen schienen.
Jetzt stemmte die Ennemoserin ihre hageren Arme in die Hüften. Kerzengerade stand sie da. Man hätte ihr das Alter kaum angesehen, so ungebeugt, zäh und kräftig war sie.
„Warum ziehst denn du nacher mit dem Loder durchs Land, Karrnerin, wenn d’ nit amal verheiratet bist damit?“ frug sie im harten, strafenden Ton.
Erstaunt sah das Weib auf die Frau. „I? ... Ja, weil i Kinder hab’ von ihm!“
Sie waren alle ruhig, die um sie herum standen. Keiner gab ihr eine Widerrede. Wozu auch? Sie fühlten es alle, daß dieses Karrnerweib kein Verständnis für ihre Moralbegriffe besaß.
Auch die Ennemoserin blieb ruhig. Über eine Weile frug sie, auf das kleine Mädel deutend: „Und die, die ist von an andern?“
„Ja!“
Die Ennemoserin erhaschte den Blick des Karrners, mit dem er auf das Mädel schaute. Ein Blick voll Haß und Abneigung war es, und voll brutaler Grausamkeit.
„Er ...“, die Ennemoserin deutete mit dem Daumen auf den Karrner ... „mag sie nit, gelt?“