„Naa!“ gab die Benedikta kleinlaut zu.

„Warum tust sie dann nit weg?“ frug die Ennemoserin mit ihrer lauten, harten Stimme.

Die Karrnerin sah erstaunt auf die Frau. „Ja, wohin soll i sie denn geben?“

„Frag nit so dumm!“ polterte der Gaudenz gegen die Ennemoserin los. „Du woaßt es ja selber am besten. Wer nimmt denn a Karrnerkind?“

Eine Welt von Haß lag in den Worten des Karrners. Haß gegen sie alle, die da um ihn standen. Haß gegen eine Gesellschaft, die ihn ausstieß, weil sie seinen ungebändigten Freiheitsdrang nicht verstehen konnte. Er wußte es genau ... alle, wie sie ihn hier umringten, waren nicht allein empört über seine Roheit, sie ekelten sich auch vor ihm und seinesgleichen.

Mit überlegenem Hohn sah der Karrner auf die Leute. Sah auf den langen Schmied, der ihn mit ruhigen, gleichgültigen Blicken beobachtete. Und Gaudenz Keil sah die Mienen der Weiber, die immer weiter von ihm und der Benedikta abrückten. Da war auch nicht eine unter ihnen, die der blutenden Karrnerin beigestanden wäre. Sie ekelten sich vor ihr und hüteten sich, ihre Hände in ihre Nähe zu bringen. Und Gaudenz Keil wußte, daß eine ganze Welt von Vorurteil und Abneigung ihn und seinesgleichen von diesen Menschen trennte.

Seine stahlblauen Augen hatten einen stechenden Ausdruck, wie er jetzt mit geringschätziger Verachtung von einem zum andern schaute. Unwillkürlich zogen sich alle von dem Karrner zurück. Sogar der lange Schmied machte ein paar Schritte nach rückwärts.

Der Gaudenz lachte laut auf. „Wer nahm’ denn a Karrnerkind?“ frug er nochmals höhnisch. „Tat’s enk ja grausen, unseroans nur anzurühren!“

Die Ennemoserin hatte ihre blassen, schmalen Lippen, wie das ihre Art war, fest zusammengepreßt. Ruhig und mit einem entschlossenen Blick sah sie dem Karrner ins Gesicht.

„I nimm’s Madel, wenn du mir sie gibst, Karrnerin!“ sagte sie dann laut.