Gaudenz Keil schien das als einen guten Witz aufzufassen. Roh und unbändig lachte er heraus.
„Tua’s nit, Ennemoserin!“ warnte der lange Schmied mit seiner tiefen, wohltönenden Stimme. „’s tuat koa guat nit!“
„Mei, Ennemoserin,“ meinte das alte, zahnlose Weibele, „laß grad du die Hand von der Butten. Hast amerst Sorg’ genua. Karrnerleut ... woaßt wol!“
Sie schupfte bedauernd die schiefgewachsene linke Schulter in die Höhe und wandte sich zum Gehen. Es interessierte sie nicht im geringsten, was jetzt hier noch vorfallen mochte. Die Ennemoserin hatte offenbar wieder ihren narrischen Tag. Der Schmied würde ihr die Mucken schon austreiben. Da wollte sie lieber nicht mit dabei sein; denn die Ennemoserin tat ihr leid, wirklich leid.
Auch der Schuster Naz dachte so. Er und noch einige von den Leuten. Die wandten sich alle langsam weg und gingen der Stadt zu. Einer nach dem andern. Es verdroß sie, da noch länger zuzuhören. Gescheites sah doch nicht viel heraus. Der Karrner hatte sich jetzt sichtlich beruhigt. Eine Beihilfe zur Schlichtung des Streites war nicht mehr notwendig. Die Schaulust und Neugierde kamen auch nicht mehr auf ihre Rechnung. Einige, die ganz besonders Neugierigen, verließen allerdings auch jetzt ihren Posten nicht. Sie wollten mit dabei sein bei der Verhandlung und harrten aus trotz Regen und Wind.
Lange dauerte die Verhandlung freilich nicht. Die Ennemoserin hatte einen starren Schädel, und was sie sich in den Kopf setzte, das geschah. Da half auch das Zureden des langen Schmieds nichts.
„Was willst denn du machen mit dem Madel, Ennemoserin? Bist a oanschichtigs Weib und hast koa Glück mit Kindern. Dös woaßt.“
„Ja, dös woaß i!“ gab die Ennemoserin trocken zurück. „Aber a Seel’ kann i dem Herrgott retten. Ist aa eppas!“
Die Benedikta stand noch immer da und preßte die farbige Schürze gegen die blutende Stirn. Sie begriff es nicht ganz, was die Ennemoserin von ihr wollte. Ein bißchen verwundert sah sie erst auf den Gaudenz, dann auf den Schmied und von diesem zur Ennemoserin.
Der Schmied redete noch immer eifrig auf die Ennemoserin ein. Er wollte ihr die Mucken austreiben, wie er meinte. Aber die Ennemoserin blieb unerschütterlich dabei.