„Wenn du mir’s Madel gibst, Karrnerin, i nimm sie!“ sagte sie fest.

Die Benedikta zuckte gleichgültig die Achseln und wandte sich ab. „Meinetwegen kannst sie haben. I bin froh, wenn i sie los krieg.“

Dann ging sie, ohne auch nur einen Blick auf die Sophie zu werfen, mit lethargischen Schritten zu ihrem Säugling, der treu bewacht von Schips, dem Hunde, in den höchsten Tönen unaufhörlich schrie.

Der Gaudenz trat jetzt ganz nahe an die Ennemoserin heran.

„Und i? Mi fragst nit, Weib!“ sagte er mit einem bösen Ausdruck in seinen stahlblauen Augen.

„Naa!“

Mit festem Blick maßen sich die beiden. Die ruhige, entschiedene Art der Ennemoserin machte Eindruck auf den Karrner.

„Von mir aus kannst ihn haben, den Balg!“ stieß der Gaudenz nach einer Weile grob heraus. „I bin froh, wenn i sie nimmer g’siech.“ — — —

So war denn die kleine Sophie mit der Ennemoserin gegangen. Ohne Tränen, ohne Händedruck und ohne ein Abschiedswort war sie von den Ihren geschieden.

Einen Abschied hatte sie allerdings genommen, und den vom Gaudenz. Als ihr die Ennemoserin die Hand reichte und ihr beim Aufstehen half, da begriff das Kind, daß es von nun an vor der brutalen Gewalt dieses Mannes geschützt werden sollte. Und sie hatte eine so ehrliche und herzliche Schadenfreude darüber, daß sie plötzlich ganz auf ihre schmerzenden Glieder vergaß und zu dem finstern, großen Mann, den sie so glühend haßte, wie sonst nichts in dieser Welt, hinlief und sich tief vor ihm verbeugte. Voll Spott und Hohn.