Warum war das Sterben so schwer ... Warum? Oder war es dem Kinde leicht und erschien nur ihm, dem Alten, so hart?

Der Rat Leonhard bemerkte es gar nicht, daß ihm dicke Tränen über die runzeligen, welken Wangen fielen ... Er lief auf und ab ... immer schneller ... immer ungeduldiger ... rastlos ... und es fror ihn an dem lauen Frühlingsabend ...

In dem Zimmer des sterbenden Kindes war die lautlose Stille gewichen ... Adele hatte mit heißem Schrecken das nahende Ende erkannt. Sie sah es an dem fliegenden Atem des Kindes und hörte es an dem leisen Röcheln ...

Da hatte sie Felix rufen lassen.

In tiefer Bewußtlosigkeit lag das kleine Mädchen da. Sie rührte sich nicht. Gab kein Zeichen ...

Als Felix kam, wurde sie unruhiger ... Und dann mit einem Male schlug sie ihre fieberglänzenden blauen Augen auf. Voll und weit ... Und sah auf Vater und Mutter ... und lächelte ... lächelte so innig und schön, daß Adele glaubte, laut aufschreien zu müssen vor wehem Leid.

„Mutti ...“ sagte das Kind leise.

„Dora ... Dorele ...“ schluchzte Adele.

„Weißt du nimmer das Lied ... das schöne Lied ...“ sagte das Kind drängend.

„Welches Lied ... Dora?“ frug Adele mit zuckenden Lippen.