Wie mit Eisenklammern hielt sie der Mann in seinen Armen. Sie fühlte seinen heißen, erregten Atem, und sie dachte an Felix, dem sie dieses Opfer bringen mußte.

Eine Nacht ... eine einzige Nacht nur ... Dann war’s vorbei ... Die Qual überwunden ... Sie konnte wieder glücklich sein ...

„Ja!“ stieß sie zitternd hervor und wand sich verzweifelt unter seinen Küssen.

„Lass’ dich küssen ... Weib ...“ sagte der Patscheider zynisch. „Ich zahl’ gut ... es ist nix umsonst!“

Wie von Sinnen eilte Sophie Rapp aus dem Hause des Kaufmanns. Sie irrte durch ganz entlegene Gassen, hinüber nach Hötting, dem Walde zu ... Sie konnte jetzt nicht unter Menschen gehen mit dieser flammenden Röte der Scham in den Wangen. Jeder würde ihr die Entehrung und Schande vom Gesicht ablesen können ... Sie mußte fort ... allein sein ... konnte niemanden sehen ... bis alles vorbei war ...

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Einige Tage war Sophie jetzt nicht zu Felix gekommen. Sie schrieb ihm auch nicht und ließ nichts hören von sich. Da kam Felix Altwirth von banger Sorge getrieben zu ihr.

„Sophie ... Liebste ... Einzige ...“ sagte er zärtlich, als sie allein waren. „Hab’ ich dir weh getan? Hab’ ich dich beleidigt? Bist du krank gewesen?“ Ganz unglücklich sah der Maler drein, als er leise und sanft ihr immer wieder liebkosend über die heiße Stirn fuhr.

„Ich hatte Kopfschmerzen,“ sagte Sophie ausweichend und vermied es, Felix in die Augen zu sehen. Seine warme Zärtlichkeit tat ihrer wunden, zertretenen Seele ungemein wohl. Sie lehnte sich in ihrem Schaukelstuhl zurück und schloß die Augen.

Sophie sah elend aus. Tatsächlich krank. Sie hatte auch ihr inneres Gleichgewicht noch nicht wiedergefunden. Immer von neuem tauchten die schrecklichen Stunden in ihrer Erinnerung auf. Es war ein Glück, daß Doktor Rapp für einige Zeit hatte verreisen müssen. So brauchte sie diesem wenigstens keine Komödie vorzuspielen. Und bis er kam, so hoffte sie, würde sie wohl wieder ganz hergestellt sein.