Johannes Patscheider hatte Wort gehalten. Mit seiner ganzen Persönlichkeit stand er für die Sache ein. Vertrat sie mit Macht und Energie und tat alles, um den großen Plan zur baldigen Ausführung zu bringen. Für den heutigen Abend hatte er alle jene Männer eingeladen, die Namen, Rang und Titel besaßen und die er für das Gelingen des Werkes zu gewinnen hoffte.
Es war eine stattliche Anzahl von Herren, die der Aufforderung des angesehenen Bürgers Folge geleistet hatten. Herren aus allen Ständen. Hohe Beamte, Honoratioren, Professoren und Künstler des Landes.
Felix Altwirth war ebenfalls anwesend. Zwischen ihm und dem Kaufmann Patscheider hatte eine förmliche Versöhnung stattgefunden. Felix Altwirth war einmal zu Patscheider gegangen und hatte dort seine Karte hinterlassen. Das war alles gewesen. Gesprochen hatten sich die beiden nicht bis zum heutigen Abend. Und auch jetzt war die Unterredung kühl und kurz gewesen.
Doktor Rapp hatte dieselbe herbeigeführt und war Zeuge, wie die beiden Männer einander die Hände schüttelten. Es war eine so frostige Begegnung, wie der Rechtsanwalt sie nur selten gesehen hatte. Felix Altwirth dankte dem Kaufmann für sein Entgegenkommen und rühmte seine Großmut, die er durch die Stiftung einer so hohen Summe bewiesen habe.
Johannes Patscheider wehrte mit kurzen, fast schroffen Worten ab. „Ihnen zulieb hab’ ich’s nit getan, Herr Altwirth!“ sagte er mit seiner lauten Stimme, so daß es alle, die es wollten, hören konnten. „Also brauchen’s mir auch nit zu danken!“ Dann wandte er sich unvermittelt von dem Maler ab und sprach mit einigen Herren, die hinzugekommen waren.
Simon Tiefenbrunner trippelte unruhig im Saale umher. Trippelte von einer Herrengruppe zur andern und hielt sich dann wieder in der Nähe von Felix auf, der abwechselnd mit Doktor Storf und Doktor Valentin Rapp sprach.
Ängstlich wartete der Apotheker auf einen günstigen Augenblick, um sich an Felix heranzumachen. Dabei rieb er sich unausgesetzt die Hände, verbeugte sich geschäftig vor diesen und jenen Bekannten und schielte dann wieder über seinen Zwicker hinweg zu Felix Altwirth hinüber.
Frau Therese Tiefenbrunner hatte dem Gatten den strengen Auftrag erteilt, noch heute abend eine Versöhnung mit Felix anzubahnen. „Weißt, Simon, jetzt wo der Felix, unser Neffe, so berühmt wird, jetzt geht das nicht mehr, daß wir in Feindschaft von ihm getrennt leben. Jetzt müssen wir uns schon mit ihm aussöhnen!“ hatte sie gesagt.
„Ja ... aber ...“ wandte der kleine Mann zaghaft ein, „eigentlich muß das doch vom Felix ausgehen. Er hat uns doch beleidigt!“
„Er hat uns nit beleidigt, Simon! Da tust du dich wieder einmal täuschen!“ hatte die Gattin ganz energisch erwidert. „Das war sie ... die Frau ... die Person ... die ...“