„Alsdann muß die kommen ...“
„Nein, Simon! Das tut die nit! Da kennst du sie schlecht. Wir müssen halt denken ... das G’scheitere gibt nach! Und du schaust heut’ auf den Abend, daß du den Felix allein erwischen tust, und sagst ihm, ich lass’ ihn schön grüßen, und er kann schon einmal auf ein’ Kaffee kommen, wenn er mag!“
„Und wenn er nit mag?“ fragte der Apotheker.
Da wurde Frau Therese ungeduldig. „Ich weiß nit, Simon, wie du mir heut’ vorkommst!“ meinte sie vorwurfsvoll. „Red’ halt zuerst einmal mit ihm! Und wenn er nit kommt ... dann soll er’s bleiben lassen! Es ist mir ja nur wegen die Leut’, daß die Feindschaft ein Ende hat. Und daß man, wenn man dem Felix einmal am Weg begegnet, doch auch stehen bleiben kann bei ihm. Damit man sieht, daß man doch verwandt ist mit ihm.“
Das waren allerdings Argumente, die der Apotheker Tiefenbrunner einsehen mußte, ob er wollte oder nicht. Deshalb schlich er jetzt auch immer um die Gruppe herum, die sich nach und nach um Felix Altwirth gebildet hatte, und wartete eine Gelegenheit ab, um sich dem Doktor Storf zu nähern. Denn dieser sollte als ein alter Freund von Felix die Versöhnung zwischen Onkel und Neffen herbeiführen. So hatte es sich Simon Tiefenbrunner ausgedacht.
Der Saal füllte sich mit immer neuen Leuten. Es herrschte trotz der vorgerückten Jahreszeit eine Bruthitze in dem Raum. Ein Gewirr von Stimmen, ein Lachen und Plaudern von vielen Männern und mehr oder minder erwartungsvolle Gesichter. In der Mitte des Saales war eine kleine Tribüne errichtet. Von hier aus sollte Johannes Patscheider eine Ansprache halten, der dann die Gründung des Vereins zur Erbauung einer Tiroler Nationalgalerie folgen sollte.
Simon Tiefenbrunner glaubte jetzt den richtigen Moment gekommen, um sich mit seinem Anliegen an Doktor Storf zu wenden. „Einen Augenblick, Herr Doktor!“ Der Apotheker sagte es leise und zupfte den Arzt am Ärmel.
„Herr Tiefenbrunner?“ Doktor Storf sah erstaunt auf den Apotheker herab, der in einiger Verlegenheit vor ihm stand. Die beiden Herrn entfernten sich, um dann gleich darauf gemeinsam zu Felix zurückzukommen.
„Du, Felix!“ sagte Max Storf. „Schau, wen ich dir da bring’!“
„Ach, Onkel Tiefenbrunner!“ Ehrlich erfreut bot der Maler dem alten Herrn seine Hand. „Das ist schön, daß du auch gekommen bist. Willst du auch Mitglied werden, und trittst du als Gründer bei?“ Als wenn es zwischen ihnen nie eine Mißhelligkeit gegeben hätte, so unbefangen sprach Felix mit dem Apotheker.