„Hat denn der Patscheider nit schön g’redet?“ forschte die Wirtin neugierig.

„Der hat mir zu schön g’red’t, Frau Buchmayr. Zu schön, sag’ ich Ihnen!“ Der alte Herr hob warnend seinen knochigen Zeigefinger. „Das ist nit alles echt ... wenn einer so schön red’t. Sagen’s ... ich hab’s g’sagt, Frau Buchmayr! Nit alles echt ... nit alles echt!“ nickte er dann noch ein paarmal bekräftigend vor sich hin ...

Als die Herren später in der Nacht auseinandergingen, drückte der Doktor Rapp dem Patscheider warm die Hand. „Sie sind doch a ganzer Kerl, Patscheider!“ lobte der Rechtsanwalt. „Das muß Ihnen der Neid lassen. Ich sag’s nit gern. Das wissen’s ja!“ setzte er scherzend hinzu.

Johannes Patscheider brach in ein dröhnendes Gelächter aus und klopfte dem Rechtsanwalt gönnerhaft auf die Schulter. „Ha! Ha! Ha! Ha! Herr Doktor, das geben’s gut! Ausgezeichnet! Und weil’s von Ihnen kommt, das Lob, drum freut’s mich um so mehr. Übrigens ...“ der Patscheider sah den Rechtsanwalt einen Augenblick von der Seite her lauernd an, „das Hauptlob verdient Ihre Frau. Nit ich!“

Es war etwas in dem Blick Johannes Patscheiders, das dem Rechtsanwalt mißfiel.

„Ja, meine Frau! Da haben’s recht!“ stimmte er bei. „Wenn die sich was in den Kopf setzt, dann muß sie’s auch erreichen.“

„Um jeden Preis!“ sagte der Kaufmann wie für sich.

Die beiden Herren waren ein Stück des Weges miteinander gegangen. Durch die Lauben bis zum Burggraben, da, wo die breite Museumsstraße in den Burggraben mündet. Der Mond stand im vollen Zeichen und sandte sein mildes Licht über die Innsbrucker Altstadt. Lachte freundlich herunter vom sternenbesäten, glitzernden und funkelnden Nachthimmel auf die düstere, alte Franziskanerkirche mit ihrem zum adeligen Damenstift und zur Hofburg führenden angebauten Torbogen und erhellte mit kaltem, frostigem Glanz die leicht beschneiten Bergspitzen der Nordkette.

Valentin Rapp fühlte ein inneres Unbehagen, als er neben Johannes Patscheider in erzwungen gemächlichem Gang einherschritt. Er war froh, daß sich ihre Wege nun trennten.

„Grüßen’s mir die Frau recht schön, Herr Doktor!“ sagte der Patscheider, da sie voneinander Abschied nahmen.