Doktor Rapp wagte diesen Gedanken nicht zu Ende zu denken. Er ging immer hastiger und aufgeregter den breiten Weg entlang, der zum Inn hinüberführte. Dann folgte er dem Lauf des Flusses bis hinunter zur Kettenbrücke.

Welkes Laub raschelte müde unter seinen festen Tritten ... stöhnte auf wie im letzten Todeskampf ... und leise plätscherten die Wellen des Flusses. Silbern und hell und gleißend sah das Wasser aus in dem Mondlicht ... so gleißend und lockend ... wie das Weib des Rechtsanwalts.

Immer wieder mußte Valentin Rapp an Sophie denken. Mußte an sie denken ... wie sie ihn geliebt und umschmeichelt hatte all die Jahre seiner Ehe. Wenn sie gelogen hätte ... Wenn es wahr wäre, daß Sophie ihn betrog ... wenn ...

Und wieder konnte Doktor Rapp den Gedanken nicht fassen. Eine fürchterliche Wut war über den Mann gekommen. Ein Zorn und eine Empörung, die ihn zu allem fähig machten.

Doktor Rapp wußte jetzt nur das eine ... er durfte nicht nach Hause gehen ... jetzt nicht. Erst mußte er ruhig werden und wieder klar denken können.

Es dauerte ein paar Stunden, bis der Rechtsanwalt sein Heim am Saggen betreten konnte.

Lautlos und sachte gab er den Schlüssel ins Schloß, und leise wie ein Verbrecher schlich er sich in seine Wohnung.

Ganz sachte ... unhörbar ... ohne Laut ... Sie durfte ihn nicht entdecken ... die Ehebrecherin.

Wie eine fixe Idee hatte es den Mann befallen. In seiner erregten Phantasie stellte er sich vor, daß er sein Weib noch in dieser Nacht mit einem Buhlen überraschen müsse.

Und wenn? ...