Dann würde er sie erwürgen ... mit seinen beiden Händen. Das wußte er.
Vorsichtig, Fuß an Fuß setzend, schlich er sich von Zimmer zu Zimmer, überall hin ... ohne Licht. Bis er vor ihrem Bett stand ... ganz nahe ... dann lauschte er. Lauschte mit eingezogenem Atem. Und konnte nichts hören ... gar nichts.
Vielleicht war sie gar nicht da ... war fort ... fort ... bei ...
Der Rechtsanwalt mußte sich bei diesem Gedanken den Kopf halten und stöhnte laut auf vor innerer Qual ...
Dieses Stöhnen beunruhigte die Träume des schlafenden Weibes. Sie reckte sich und seufzte tief ... wie von einem Alp bedrückt.
Nun wußte Valentin Rapp, daß sie da war. Dies brachte ihn wieder zu ruhiger Überlegung. Mechanisch tastete er sich zum Schalter der elektrischen Lampe und drehte auf.
Der plötzliche Lichtschein weckte die Frau aus ihrem Schlaf. Verwundert schlug sie die Augen auf.
„Du ... Valentin!“ Sie lachte müde und schlaftrunken. „Bist jetzt erst kommen?“ frug sie leise.
Valentin Rapp gab keine Antwort. Er starrte wie hypnotisiert auf das in weißen Kissen ruhende Weib, das schon wieder sachte eingeschlafen war.
Eine große, mit gelbem Seidenschirm verhängte Ampel warf einen feinen Schein auf die schlafende Frau. Sophie Rapp lag da mit geschlossenen Augen und hatte den einen Arm über ihren Kopf geschlungen. Der Arm war entblößt, und mit ihm war ein Teil ihres Nackens sichtbar. Das Licht der Ampel vertiefte die Farbe ihrer bräunlichen Haut und ließ sie glatt und glänzend erscheinen wie Atlas. Das dunkle, aufgelöste Haar fiel ihr auf die halbentblößten Schultern, und ein weicher, friedsam ruhiger Zug lag auf dem sonst so lebhaften Gesicht. Die vollen üppigen Lippen waren leicht geöffnet, als sehnten sie sich nach Küssen, die sie der Müdigkeit und dem Schlaf entreißen sollten.