Dann lief sie, so schnell sie konnte, hinauf nach Wilten, in die Wohnung der Altwirths. Alle Abkürzungswege benützte sie, um nur so rasch als möglich bei dem Geliebten zu sein ...

„Felix ...“

„Ja ... Schatz!“

Sie lagen sich in den Armen und konnten sich kaum fassen vor Freude.

„Heut’ nacht ... Felix ...“ flüsterte Sophie heiser vor Erregung. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. So sehr sehnte sie sich nach dem Geliebten.

„Nach Mitternacht?“ frug Felix leise.

„Um eins. Sei pünktlich!“ ...

Es war eine finstere Nacht. Neumond. Die Sterne glitzerten am schwarzen Firmament unruhig und unstet. Ab und zu fegte ein heftiger Windstoß mit ungestümer Gewalt dem einsamen Wanderer frostige, schneidende Luft ins Gesicht. Den Pelzkragen aufgestülpt und den weichen, dunklen Hut tief in die Stirn gedrückt, so legte Valentin Rapp in der kalten Winternacht zu Fuß den Weg von Hall nach Innsbruck zurück.

In Jenbach schon war der Rechtsanwalt umgekehrt. Hatte den nächsten Zug nach Innsbruck benützt und war abends in Hall angekommen. Von dort wanderte er bei Nacht zu Fuß, um von keinem Bekannten gesehen zu werden.

Doktor Rapp war innerlich ruhig geworden. Fast ohne jede Aufregung, mit einer Art kühlen Interesses sah er den Stunden entgegen, die er nun auf seinem einsamen Beobachtungsposten verbringen würde. Er wußte ... wenn er auch heute nacht und morgen noch vergebens auf diesem Posten stand, daß er dann wieder ruhig und zufrieden leben konnte wie bisher.