„Es ist besser, wenn ich geh’ ... Sophie. Deinetwegen ...“ fügte er nach einer kleinen Pause hinzu.

Sophie erhob sich. Dann bettete sie sanft und weich das Haupt des toten Gatten auf ein Kissen, das sie herbeiholte. Ganz allmählich gewann sie ihre Fassung wieder. Sie zitterte noch an allen Gliedern ... aber sie konnte wieder ihre Gedanken sammeln.

Und nun stand sie da in ihrem weißen Nachtgewand und streckte sich im namenlosen Schmerz. Fest preßte sie die vollen Lippen aufeinander, die so blaß und blutleer waren wie ihr totenbleiches Gesicht.

„Felix ...“ Sie sah ihn mit großen, wehen Augen an. „Du weißt, daß ich dich lieb hab’?“ frug sie.

„Sophie ...“ Jetzt kniete sich Felix vor ihr nieder ... umschlang ihren Leib mit beiden Armen und preßte seine Lippen auf ihre Hände.

„Siehst, Felix ...“ fuhr Sophie leise flüsternd fort ... als wollte sie den Toten nicht aus seiner Ruhe stören ... „Den da hab’ ich auch lieb g’habt. Sehr lieb ... Aber nit so wie dich ... anders ... Und jetzt ... jetzt ist er nimmer ... Und du ... du bist auch nimmer ... und alles ... alles ist meine Schuld ... Ich weiß es ... ohne mir ... wär’s nit so weit kommen!“ Sie griff sich mit der Hand gegen die Stirn, als müßte sie sich besinnen. Dann fuhr sie mit flüsternder und bebender Stimme zu reden fort. „Ich hab’s Elend über euch gebracht ... über dich und ihn ... und hab’ euch doch gern g’habt ... so gern ...“

Der Ton ihrer Stimme tat Felix so weh, daß er aufschluchzte vor Leid. Sie fuhr ihm zärtlich über den Kopf und streichelte ihn.

„Ich will’s gutmachen ... Felix ...“ sagte Sophie kaum hörbar. „Ich bin die Schuldige ... niemand soll’s wissen ... daß du’s getan hast.“

„Sophie ... du ... das geht nicht ... unmöglich. Ich bin’s gewesen, und ich trag’s auch!“ Mit jähem Schreck war Felix emporgefahren und sah scheu und verstört auf das Weib, das nun in ruhiger und gefaßter Haltung vor ihm stand.

Sie hatte den Kopf tief gesenkt und ließ die Arme müde und matt herabhängen. Wie eine ganz andere ... eine demütige, ergebungsvolle Frau kam sie dem Mann jetzt vor, und mit achtungsvoller Ehrfurcht hörte er auf die Worte, die sie leise flüsternd sprach.