Mit zusammengekrümmten Gliedern schlich das Weib an der andern Seite des Doppelbettes entlang ... schlich ... leise ... auf nackten Sohlen. Mit hochklopfendem Herzen horchte sie ... horchte ...
Wie unheimlich es hier war. Und wie ruhig ... wie tot.
Und immer länger starrte sie ... sich gewaltsam an dem Rande des Bettes festhaltend ... zu dem Toten hinüber. Je länger sie schaute ... je länger sie mit eingezogenem Atem angestrengt horchte und nichts hörte als den Schlag des eigenen, wild pochenden Herzens ... desto mehr steigerte sich ihre Furcht und ihr Entsetzen vor dem Toten.
Der kalte Schweiß stand dem zitternden Weibe auf der Stirn. Und dann rannte sie wie von Furien gepeitscht fort ... hinaus aus dem Zimmer ... hinüber in das gleiche Zimmer, wo sie vor wenigen Stunden noch am offenen Fenster auf das Kommen des Geliebten gelauscht hatte.
Licht ... Nur Licht ... Sie mußte sehen ... und frische ... erquickende Luft schöpfen.
Wie eine Erstickende ... so lechzte das Weib nach Luft. Sie riß die Fenster auf ... Das Klirren der Scheiben erschreckte sie.
Die eiskalte Luft, die ihr entgegenströmte, schneidend und unbarmherzig, machte sie erzittern. Aber sie tat ihr gut. Unwillkürlich wurde sie wieder ruhig. Was nun? ... Sophie sah sich im Zimmer um. Sie war allein ... ganz allein. Da war niemand mehr, der für sie dachte und für sie sorgte. Allein ... und wieder diese beklemmende Angst ...
Warum war sie jetzt allein? Warum war er ... Felix ... fortgegangen? Warum? ... Sie hielt sich mit zitternden Händen die Stirne. Sie mußte denken ... ihre Gedanken sammeln.
Ja. So war’s. Sie hatte Felix fortgeschickt ... und er war gegangen. Er hatte das Opfer angenommen, das sie bringen wollte.
Warum es ihr mit einem Male nur so schwer wurde? Sie hatte sich ja so stark gefühlt ... so stark und nun ... nun war sie so todtraurig.