Und wieder schüttelte sie die Angst. Ihre Zähne schlugen aufeinander, und ihr Körper krümmte sich zusammen. Und jetzt horchte sie ... horchte mit der ganzen Spannung ihrer überreizten Nerven auf die Schritte, die nun kommen würden ... um sie zu holen.

Nein ... Sie durften sie nicht holen ... Sie durften sie nicht finden hier. Fort ... fort ... nur fort ...

In fliegender Hast raffte das Weib seine Kleider zusammen. Zog sich an ... so rasch sie konnte, und steckte sich das Haar zurecht. Dann warf sie ein großes, dunkles Tuch über Kopf und Schultern und eilte hinaus ... hinaus ins Freie.

Ließ alles offen stehen ... Tür und Riegel ... Sie sollten den Toten gleich sehen ... wenn sie kamen.

Durch die einsamen Straßen hallte ihr flüchtender Schritt und gab sein Echo zurück von den Reihen der Häuser.

Von Straße zu Straße rannte sie, angstgetrieben. Bis in den dämmernden Morgen hinein.

Allmählich regte sich das erste Leben des beginnenden Tages. Vereinzelt eilten Arbeiter zu ihrem Tagewerk.

Von den Fenstern der dunklen Häuserreihen fiel ab und zu ein schmaler, verträumter Lichtschein auf die Gestalt des gehetzten Weibes.

Immer irrte sie herum ... von Straße zu Straße ... und kam doch stets in dieselbe Gegend zurück.

Auf dem Viadukt der Eisenbahn fuhr rasselnd ein Zug der Stadt entgegen. Und in der Ferne tönte das müde, schlaftrunkene Gerassel eines holperigen Wagens.