Doktor Storf sah mit tiefer Bewegung auf Adele. Es war ihm ... als müßte er die Frau fest in seine Arme schließen ... und sie schützend durchs Leben führen. Fast übermächtig stark wallte dieses Gefühl in ihm auf.
Er durfte es nicht tun. Er wußte es. Er mußte an sich halten ... die Zähne aufeinander beißen und überwinden. Aber er fühlte es klar und deutlich ... daß mit Adele das echteste Empfinden ... das reinste und beste, das er je für ein Weib gehegt hatte ... dahin ging.
Nun würde ihm nichts mehr bleiben als die Erinnerung. Er würde sein Leben weiterführen ... nur seiner Pflicht leben ... seiner Familie und seinen Kindern.
Sie sahen sich lange in die Augen. Sie sagten kein Wort und legten nicht einmal die Hände ineinander. Aber es lag eine ganze Welt in ihren Blicken ... eine Welt von Wünschen und Sehnen, von Leid und Entsagen.
„Dann wär’s ein Abschied ... jetzt ... Adele?“ sagte Max Storf leise, und seine Stimme bebte.
„Ja.“ Sie hauchte das Wort kaum hörbar. Starr und aufrecht stand sie vor ihm und mit einem Antlitz, das so bleich war und so regungslos wie der Tod.
Und wieder trieben die Strahlen der Sonne ihr loses Spiel. Lugten in alle Winkel und Ecken, hüpften auf und nieder und blieben an den beiden Menschen haften ... die jetzt für ewig im Leben voneinander Abschied nahmen.
Max Storf zog die weiße, noch immer schöne und wohlgepflegte Hand der blonden Frau an seine Lippen und küßte sie. Küßte sie lange und küßte sie innig. Und dann ging er.
Sie hatten kein Wort mehr miteinander gesprochen, und ihre Lippen ... die sich zueinander sehnten ... hatten sich nicht gefunden.
Als Max Storf gegangen war ... da war es Adele ... als hätte die Sonne sich versteckt ... als sei es mit einem Male dunkler und düsterer und noch trauriger geworden im Zimmer.