Morgen ... schon morgen abend würde sie fort sein von hier ... Sie sagte es leise ... kaum hörbar vor sich hin.
Morgen abend ... War es ihr denn leid, fortzugehen von dieser Stadt?
Adele Altwirth atmete tief. Sie fühlte ... wie sich ein schwerer Druck auf ihre Brust legte ... wie er sie drückte gleich einem Alp.
Es mußte wohl so sein ... Das Gefühl, das sie jetzt empfand ... schmerzte sie. Und eine Unruhe kam über sie und ein Sehnen ... eine große Sehnsucht nach ihm ... der jetzt von ihr gegangen war.
Sie hätte ihn zurückrufen mögen ... ihn bitten ... daß er sie zu sich nehme ... daß sie sich nimmer von ihm zu trennen brauchte.
Sie tat es nicht. Hielt an sich ... wie sie stets an sich gehalten hatte.
Aber es trieb sie fort von hier ... hinaus ins Freie. Sie konnte es nun mit einem Male nicht mehr aushalten in der öden ... zerstörten Wohnung.
Und Adele Altwirth ging in den hellen ... sonnenlachenden Wintertag. Ohne Ziel und ohne Zweck. Nur ruhig werden wollte sie ... die Gefühle niederkämpfen ... die so übermächtig in ihr geweckt worden waren. Nun wußte sie ... daß sie eine Lebende war ... nicht gestorben ... trotz allem Leide.
Adele Altwirth wanderte durch die stillen Straßen der Stadt. Es trieb sie ... noch ein letztes Mal die Wege aufzusuchen, die sie mit ihrem Kinde gegangen war. Noch einen letzten vollen Blick wollte sie auf die Stadt werfen ... die sie trotz allem lieb gewonnen hatte.
Sie wanderte hinüber zum Inn ... und hinauf zur Weiherburg. Vorbei an dem kleinen Häuschen, das einmal ihr Idyll gewesen war und ihr großes Leid gesehen hatte.