Die alte Frau hatte es nicht begreifen können und nicht fassen, wie das nur möglich war ... wie so ein Unglück hatte geschehen können. Wie konnte der Herrgott im Himmel droben so ein Übel dulden?

„Ennemoserin, du hast kein Glück mit Kinder!“ sagten die Leute in Rattenberg.

Es mußte wohl so sein. Sie hatte kein Glück mit Kindern ... die Alte.

Und noch fleißiger als bisher ging sie von jetzt an zur Kirche. Kniete dort und betete ... betete immerzu und unaufhörlich. Jetzt hatte sie noch ein sündiges Kind, für das sie die Gnade des Himmels erflehen mußte. Die Ennemoserin kümmerte sich um nichts mehr auf der Welt. Ihr ganzes Leben war nun ein einziges Gebet geworden ...

Sie hatten die Sophie Rapp zu jahrelanger Zuchthausstrafe verurteilt.

Ihre Richter waren nicht barmherzig gewesen, und sie hatte keine Barmherzigkeit von ihnen verlangt.

Mit niemandem war sie in Berührung gekommen während ihrer Untersuchungshaft ... hatte mit keinem Menschen gesprochen ... außer mit der Ennemoserin und mit ihrem Verteidiger.

Dieser war es auch, der ihr von dem Tode des Malers Altwirth sprach. Warum er es ihr sagte? Hoffte er ihr ein Geständnis zu entlocken ... daß sie nicht allein beteiligt war bei der Tat?

Aber Sophie sagte nichts. Kein Wort. Wenn Felix tot war ... warum sollte sie den Toten verraten, wo sie für den Lebenden hatte leiden wollen?

Sie blieb ruhig. Ganz ruhig. Aber es war ihr recht ... daß Felix tot war. Sie freute sich über seinen Tod als über eine frohe Kunde. Es war ihr ... als hätte er ihr die letzte Botschaft seiner Liebe kund getan.