Auch davon sprach ihr der Verteidiger, daß Adele Altwirth heimlich von Innsbruck gegangen war. Und dann redete er lange und gut zu Sophie. Suchte zu ergründen, ob zwischen ihrer Tat und den Altwirths ein Zusammenhang bestände.

Nein. Sophie blieb fest. Sie war die Täterin. Sie ganz allein. Im Zorn hatte sie den Gatten ermordet. Niemand war dabei. Niemand wußte davon. Kein Mensch.

So mußte denn Sophie ihre Strafe antreten ... die Tat büßen, durch eine jahrelange Haft.

Es würde nicht lange dauern mit ihr ... das fühlte Sophie. Und sie freute sich darüber ... freute sich ...

Man hatte sie in die Strafanstalt gebracht ... hinunter in das Unterinntal ... in das alte freundliche Städtchen Schwaz ... Und sie war gern gegangen ... ganz gerne.

Nun lebte sie dahin in strenger Zucht ... in Schweigen, in Arbeiten und in Gebeten. Ganz für sich. Sie hatte an keinen Menschen Anschluß, und sie suchte auch keinen.

Aber eine Begegnung hatte sie ... die ihr lieb war und die sie freute.

Die Schwester Salesia war zu ihr gekommen ... steinalt ... aber noch immer rüstig. Und gut und frisch und munter. Bei dem Anblick der alten Schwester war es Sophie, als ob die Jahre ihrer Kindheit aufs neue für sie erstünden. Sie fühlte sich wieder zum Kinde werden ... und sie lernte wieder glauben und beten und auf Gott vertrauen.

„Kind ... Kind!“ meinte die Schwester mit mildem Vorwurf. „Daß du dazu gekommen bist ... dazu ... mit deinem wilden Blut?“

Langsam schlichen die Tage in der Anstalt und langsam die Wochen und Monate. Und immer war es derselbe Lauf des Tages ... immer dasselbe Einerlei ... Schweigen ... arbeiten und beten.