Niemand rührte sich. Keins von den Mädchen getraute sich, Antwort zu geben.
„Wer war die Ursache dieses Lärmes?“ frug die Oberin abermals mit harter Stimme.
Die Mädchen sahen scheu und verstohlen auf Sophie, aber keine nannte ihren Namen.
„Sophie, warst du’s?“ frug die Oberin etwas milder.
Das kleine Mädchen kam knicksend näher und stellte sich vor die Oberin hin. Mit schalkhaftem Lächeln sah sie zu der hohen, schlanken Frau auf.
„I bitt’, Schwester Oberin, ich war’s!“ sagte sie.
Es lag etwas Stolzes, Selbstbewußtes in dem Ton des Kindes. Die befriedigte Eitelkeit der ehemaligen kleinen Komödiantin, die ihrem Publikum gefallen hatte.
Die Schwester Salesia schaute ängstlich auf die Oberin. Sie wußte, daß diese Frau die Art des Kindes nicht verstand und sein Benehmen mißdeuten werde. Und sie wußte auch, daß ein unbesonnenes Wort des Tadels bei dem wilden, ungebärdigen Sinn des Kindes großen Schaden anrichten konnte.
„Was hast du getan, Sophie?“ frug die Oberin streng, aber ohne Härte.
„Ich?“ Das Mädel sah mit selbstgefälligem Lächeln auf ihre Mitschülerinnen. „Nichts hab’ ich getan, rein gar nichts!“