„Lüg’ nicht!“ gebot die Oberin streng. „Gib ehrlich Antwort, wenn man dich fragt!“
Da mischte sich die alte Schwester ein. „Sie hat halt dumm’s Zeug erzählt, Schwester Oberin. Sonst nix, nur a bissel dumm’s Zeug. Und die andern, die Gäns’, die haben g’lacht.“
Die „Gäns’“ fingen bei der Erinnerung an das dumme Zeug schon wieder zu kichern an. Mißtrauisch sah die Oberin auf die Schwester Salesia. Sie hatte es schon längst mit Unbehagen bemerkt, daß die Schwester das Karrnerkind auffallend bevorzugte, und sie sah es deutlich an dem verlegenen Gesicht der Schwester, daß sie ihr etwas zu verheimlichen suchte.
„Was hast du gesagt, Sophie?“ frug die Oberin streng und sah mit festem Blick auf das Mädel.
„Nit sagen!“ flüsterte ein größeres Mädchen, das in ihrer Nähe stand, ganz leise. „Nit sagen!“
Das feine Ohr der Oberin hörte die Warnung doch.
„Was sollst du nicht sagen, Sophie?“ frug sie mit kalter, lauter Stimme. „Rede!“
Sophie war jetzt tatsächlich verwirrt geworden. Sie sah das hilflose, bestürzte Gesicht der alten Klosterschwester, und sie hörte den heimlich warnenden Zuruf des Mädchens.
„Ich ... ich hab’ einen Hund g’sehen ...“ sagte sie jetzt leise und zögernd.
„Ja ... und ...?“ frug die Oberin, ohne ein Auge von der kleinen Sünderin zu lassen. „Und?“