„Ja, den Vogerln und den Eichkatzeln!“ sagte die Sophie trotzig. „Ihr da im Kloster wollt’s ja doch nix wissen von meiner Kunst!“ machte sie dann verächtlich. „Und ihr versteht auch nix davon!“

„Aber doch mehr als wie die Vogerln, ha?“ frug die Schwester.

Sophie hob die Schultern und machte ein ganz verstocktes, eigensinniges Gesichtel. Das tat sie jetzt häufig, wenn sie keine Antwort geben wollte.

Aber die Schwester sah es doch, daß sich das Kind unglücklich fühlte. Schwerfällig erhob sie sich von dem Gartenbeet, wo sie gerade Unkraut gejätet hatte, und ging zu dem Mädel hin.

„Hast recht Sehnsucht, Sophie? Möchtest fort von da?“ frug sie leise und mit zarter Stimme und fuhr mit leichter, liebkosender Hand über die dunkeln Haare des Kindes.

Sophie fühlte es, daß die alte Schwester die einzige sein würde im Kloster, die um sie trauern würde, wenn sie fortging. Aus ganzem Herzen sehnte sie sich fort aus der Enge des Klosters. Mit jedem Tag noch mehr. Aber sie fühlte es instinktiv, daß dieses Geständnis der Schwester Salesia wehe tun müßte. Und kränken wollte sie ihre alte Freundin nicht.

Sophie legte ihre beiden Arme um den Hals der Schwester Salesia und küßte sie stürmisch. Dann drehte sie sich mit ihr wie ein Wirbel im Kreise herum.

„Aber Schwester, Schwesterle, was glauben’s denn! Ich will nit fort. Von Ihnen schon gar nit! Nur da drüben ...“

„Ja ... ja ... so laß mi doch aus! Du Ungut du! Du sollst ja spielen da drüben! So gib doch a Ruh!“ keuchte die Schwester ganz außer Atem und krebsrot im Gesicht „I will schon reden mit der Oberin, ob sie’s erlaubt.“ —

Die Oberin gab ihre Einwilligung, und Sophie machte von der willkommenen Freiheit den ausgiebigsten Gebrauch. Stundenlang trieb sie sich in den Wäldern herum und kam bald nur mehr ins Kloster, wenn sie der Hunger dazu nötigte.