Mit aller Kraft und mit einer Art verbissenen Ingrimms schlug der Mann die Trommel. Hinter ihm führte ein schwarzes, schlankes Mädel, als Knabe gekleidet, das mit bunten Bändern geschmückte kleine Pferd, auf dem ein allerliebstes, blondes Büblein saß. Weißblond waren die Haare und fein und zart die Glieder des ungefähr fünfjährigen Kindes.
Der kleine Kerl war in blasse, rosafarbene Trikots gesteckt, mit bloßen Füßen und ohne jeden Schutz gegen den Regen. So saß das hellblonde Bübel auf dem braunen Bosniakenrößlein und verteilte große, bunte Zettel unter die Straßenjugend, die von allen Seiten herbeiströmte und mit bewundernden Blicken nach dem kleinen Reitersmann schaute.
Das Bübel schien sich trotz der allgemeinen Bewunderung nicht sehr wohl auf seinem erhöhten Sitz zu fühlen. Das von der Sonne leicht gebräunte Gesichtel war blaurot vor Kälte, und der kleine Mund verzog sich krampfhaft und unterdrückte nur mühsam das Weinen. Die hellblauen Augen schauten verzagt und wie um Hilfe flehend auf das braune Mädel, das das Pferd sorgsam am Zügel führte.
Das Mädel nickte dem blonden Brüderchen aufmunternd zu, und manchmal blieb es etwas zurück und streichelte ganz verstohlen die nackten Beinchen des Buben.
„Sei nur stad, Tonl!“ flüsterte sie dann. „’s dauert nimmer lang, nacher kommst hoam zur Muatter!“ Dann war das flinke Ding wieder mit einem Sprung vorne beim Pferd und führte es am Zügel.
Das junge Gassenvolk hatte seine helle Freude an den fremdartigen Kollegen. Ein Mädel in Bubenkleidern war nichts Alltägliches in Rattenberg.
Einige unter den Buben, die ganz frechen, versuchten eine Annäherung und zogen das Mädel erst schüchtern und dann immer dreister an einem der kurzen, dicken Zöpfe oder zwickten sie derb in die Waden.
Da kamen sie aber schlecht an. Das Mädel verstand sich zu wehren. Wie eine junge Wildkatze war sie, kratzte und zwickte und stieß um sich mit einer Fertigkeit, wie es kaum die geübtesten Raufer unter den Buben hätten besser machen können. Wär’ auch kein echtes Karrnerkind gewesen, wenn es sich von den paar Lausbuben hätte unterkriegen lassen.
Das mochte der finstere Mann, der vorausging und unbekümmert seine Trommel schlug, wohl auch denken. Es entging ihm nicht, wie die Buben immer dreister hinter dem Mädel drein waren, aber er kümmerte sich nicht darum; tat, als bemerke er es nicht, und hieb nur um so energischer auf seine Trommel ein.
Heida, war das ein lustig Völkel, wie es trotz des strömenden Regens durch die alte Stadt zog. Das Mädel lachte schadenfroh und fletschte dabei die Zähne gleich einem jungen Raubtier, und die schwarzen Augen funkelten nur so in dem braunen Gesicht.