Da war der Hausknecht und der Schankbursche und der Kutscher. Und alle hätten sie gerne angebandelt mit dem saubern Küchenmädel. Aber alle waren sie bei der Sophie abgeschlüpft.

Die Wirtin vom Weißen Hahn war eine kluge Frau. Mit einer Art Feldherrnblick erkannte sie, daß die Sophie für den Beruf einer Kellnerin wie geboren war. Die Sophie war gerade das, was sie für ihre Stammgäste schon längst gesucht hatte. Ein hübsches, junges, resches Mädel mit einem gesunden Mutterwitz. Nach einem halben Jahr schon wurde die Sophie zur Kellnerin im Herrenstübel befördert.

Fünftes Kapitel.

In einer der engen Gassen der Innsbrucker Altstadt liegt der Gasthof zum Weißen Hahn. Die Häuser sind dort hoch und die Mauern altersgrau. Ein Gewirr von kleinen, engen Gäßchen mündet hinaus in die breitere Hauptstraße der Altstadt. Das ist eine Straße, die ebenso gut ein viereckiger Platz sein könnte, wenn der Abschluß gegen Süden nicht den herrlichen Ausblick auf die malerische Maria Theresia-Straße offen ließe.

Der alte, prächtige Gedenkbogen, die Triumphpforte bildet am Ende der Maria Theresia-Straße einen künstlerischen Abschluß des Stadtbildes. Hinter der Triumphpforte erhebt sich in weiter Ferne die spitze Zacke der Serles. In ruhiger, majestätischer Pracht ragt sie in den tiefblauen Himmel, als wäre sie sich ihrer unvergänglichen Schönheit wohl bewußt.

Die hohen Häuser der Altstadt mit ihren Erkern und gewölbten Torbogen, mit den düstern, fast kellerartigen Hausfluren bergen unter ihren Dächern noch immer den Zauber vergangener Jahrhunderte. Dort ziehen sich zu beiden Seiten der Herzog Friedrich-Straße die niedern gemauerten Steinlauben hin, unter denen sich Geschäft an Geschäft reiht. Der grauschwarze Stadtturm mit seiner grünlich schillernden Kuppel steht in einem seltsamen Gegensatz zu dem schmucken, vorspringenden Erkerbau des goldenen Dachels.

Im Hintergrund recken sich wie eine abschließende Riesenmauer die steil aufragenden Berge der Nordkette empor. Düster, grau, schwer und von imponierender Macht ist der Eindruck dieses ältesten Innsbrucker Stadtteiles mit dem grandiosen Hintergrund der gewaltigen Bergwelt, mit seiner ganzen ernsten nordischen Schönheit, mit den verblaßten Resten des Mittelalters, da Tirols Grafen und Fürsten in diesen Gassen Hof hielten, da längst verblichener Prunk, verschollene Üppigkeit und erstorbener Glanz darin heimisch waren.

Eine breitere Querstraße führt an dem goldenen Dachel vorbei hinüber zur Innbrücke, welche die beiden Teile der Stadt diesseits und jenseits des Flusses miteinander verbindet. Die schmale Gasse, in welcher der Gasthof zum Weißen Hahn liegt, ist ganz besonders düster und grau und bei der spärlichen Beleuchtung am Abend fast unheimlich. Selbst bei hellem Sonnenschein verliert sich der ernste Charakter dieses Teiles der Landeshauptstadt nur wenig.

Während des Tages herrscht ein reges Leben in den engen Gassen. Da stehen dann die Botenwagen, die den Frachtenverkehr mit den umliegenden Tälern und den Nachbardörfern vermitteln, mit schweren Säcken beladen und mit weißlich grauem Segelleinen bespannt. Wie ein Stück Mittelalter mutet dieser Verkehr mit der Außenwelt an. Die bäuerlichen Wagenführer in ihren blauen Fuhrmannskitteln, oder auch in der Tracht ihres Tales, treiben vor ihren Wagen Handel. Auch Botenweiber, mit hohen Ruckkörben beschwert, haben sich hier eingefunden. Sie bringen Eier, Butter und Hühner mit zur Stadt und oft auch Wildbret. Ihre Waren werden von den sparsamen Hausfrauen gerne gekauft. Denn was die Boten vom Land hereinbringen, gilt als billigere Ware, als was man auf dem Markt und in den Läden erstehen kann.