Mit einem jähen Ruck war Felix Altwirth von seinem Sitz emporgeschnellt. „Was? Die Tant’ kommt? Ja da muß i gleich ...“ Und mit Blitzeseile hatte er nach seinem Hut und nach seinem Überzieher gelangt, um sich vor der ihm drohenden Gefahr zu flüchten.

Lachend hielt ihn Max Storf mit beiden Händen an den Schultern fest. „Ob du dableibst oder nit, du Hasenfuß! Vor einem Weib davon laufen, schämst di nit?“

„Nein, ich schäm’ mich nit! Bleib du und red’ mit ihr, wenn du die Schneid’ hast!“ Felix Altwirth mußte jetzt über sich selber lachen.

Die Erinnerung an seine Tante bewirkte, daß sich sein Humor entschieden besserte. Es war eine Art komischer Furcht, die er vor seiner Tante hatte. Er wußte, daß diese Frau allein sein Schicksal in Händen trug. Diese Frau, der gegenüber er sich stets wie auf einem Vulkan befand. Keinen Augenblick fühlte er sich davor sicher, mit ihr ernstlich zusammen zu krachen.

Ihre bornierte Anmaßung, die Beschränktheit ihrer Lebensauffassung und ihre ungeheure Gönnermiene hatten ihn von jeher schon so gereizt, daß er es stets vorzog, mit dem Onkel zu verhandeln ohne Beisein von dessen Frau. Hauptsächlich aus diesem Grunde war er ursprünglich Stammgast beim Weißen Hahn geworden. Bis dann später ein neuer Anziehungspunkt hinzukam, der ihn dort fesselte. Das war seine heimliche Verehrung für Sophie Zöttl.

„Ich bleib’ schon!“ sagte der junge Arzt. „Und ich red’ auch mit ihr. Aber nit heut’, sondern erst morgen. Also heut’ ist wieder Damenabend?“ erkundigte er sich dann bei der Sophie. „Wer kommt denn alles?“

„Na also amal die Frau Apothekerin Tiefenbrunner, dann die Frau Patscheider, die Frau Direktor Robler, die Frau Professor Haidacher, die Frau Baurat Goldrainer und ihre Schwester ...“

Felix Altwirth hielt sich mit komischem Entsetzen die Ohren zu. „Um Gotteswillen hören’s auf, Fräul’n Sophie! Da wird einem ja ganz damisch bei die vielen Leut’. Da geh’ ich lieber!“

„Aber Sie wohl nit, Herr Doktor, hm?“ fragte Sophie mit schnippischer Anzüglichkeit.

„Nein, ich nit, ich bleib’!“ erwiderte der junge Arzt fest, aber doch mit einiger Verlegenheit in seinem Gesicht.