„Felix war nicht ganz wohl heute abend, so viel ich weiß. Er hatte Kopfschmerzen!“ sagte Doktor Storf und machte ein möglichst gleichgültiges Gesicht. Dann wandte er sich gegen den Apotheker und fragte: „Darf ich Sie übrigens morgen vormittag besuchen, Herr Apotheker? Ich hab’ mit Ihnen zu sprechen. Welche Zeit ist Ihnen da am angenehmsten?“

Der Apotheker sah ratlos zu seiner Frau hinüber. Das war also schon wieder ein Attentat auf ihn. Dieser Doktor Storf war ja ein geradezu unheimlicher Mensch. Gut, daß er seine Frau dabei hatte. Die wußte ja stets Rat.

„Was meinst denn, Theres? Um wieviel Uhr paßt’s dir denn?“

„Ich möcht’ mit Ihnen persönlich sprechen, Herr Apotheker!“ sagte Doktor Storf mit fester Betonung.

„Sie, Herr Doktor Storf ...“ nahm nun Frau Therese wieder das Wort. „Sie haben doch g’wiß nur in der Angelegenheit wegen dem Felix, wegen unserm Neffen, mit meinem Mann zu sprechen. Nicht wahr?“

Doktor Storf verbeugte sich zustimmend. Er sah, daß es vor dieser Frau kein Entrinnen gab, wenn man nicht geradezu grob werden wollte.

„Der Felix Altwirth ist doch der Sohn von meiner Schwester. Nicht wahr? Das wissen’s doch, Herr Doktor, gelten’s? Und wann Sie wegen dem Felix Altwirth mit meinem Mann zu sprechen haben, dann müssen Sie mir auch erlauben, daß ich auch ein Wörtel da drein zu reden hab’. Weil ich nämlich in derer Sache in erster Linie auch drein zu reden hab’, weil ich nämlich auch die Sache bezahl’, die er verstudiert, wissen’s?“

Frau Therese hatte sich, während sie sprach, ganz aufrecht gehalten und hatte wiederholt eindrucksvoll mit dem Kopf genickt. Dabei wackelte die Feder auf ihrem Hut so herausfordernd, daß es der lustigen Frau Haidacher alle Beherrschung kostete, um nicht laut aufzulachen.

Doktor Rapp, der für Taktlosigkeiten ein sehr feines Empfinden besaß, stieg das dicke, schwere Blut zu Kopf. Er kannte Felix Altwirth nur ganz flüchtig. Aber der junge Mann war ihm sympathisch. Und daß die Apothekerin so öffentlich hier über ihn verhandelte, das empfand er als eine Roheit.

In seiner impulsiven Art wandte er sich daher an Frau Therese Tiefenbrunner und meinte in lustiger Weise: „Aber jetzt, gnädig’ Frau, haben’s dem Doktor Storf noch immer kein Rendezvous geben für morgen. Wie lang muß denn der Häuter noch warten, bis Sie ihm endlich die gnädige Erlaubnis erteilen!“