In ihrem Eifer, den Doktor Storf zu überführen, vergaß sie ganz darauf, sich ihrer gewählten Ausdrucksweise zu bedienen, und sprach im schönsten Kothlackner Dialekt. Das klang so rein und unverfälscht, daß die Damen einander verständnisvoll zulächelten.
„Ich hab’ da einen Blick aufgefangen ...“ meinte Frau Therese bedächtig ... „zwischen Ihnen und der Sophie, der mir nicht gefallen tut. Das muß i Ihnen schon sagen, gar nit g’fallt er mir. Da steckt etwas dahinter, das mi angeht und mi wollen’s hinters Licht führen! Da kenn’ i mi schon aus!“ fügte sie gekränkt hinzu.
Dann aber erinnerte sie sich, was sie ihrer Stellung schuldig war, gab sich einen Ruck, nahm eine sehr huldvolle Miene an und sagte darauf zu Sophie, indem sie jedes Wort eindrucksvoll betonte: „Und jetzt, Sophie, wend’ ich mich einmal an Ihnen. Jetzt reden einmal Sie zu mir, wie sich’s g’hört. Und jetzt frag’ ich Ihnen, was ist denn das für eine Geheimnistuerei mit dem Felix? Was wissen denn Sie davon?“
Da Sophie nicht gleich Antwort gab, ermunterte sie das Mädchen: „Sie dürfen schon reden. Sie dürfen Ihnen schon getrau’n!“ meinte sie mit wohlwollender Herablassung.
„O, gnädig’ Frau, i getrau’ mir schon zu reden!“ Sophie trat jetzt resolut vor und stemmte ihren Arm in die Seite. „Soviel Sie wollen, gnädig’ Frau! Ich fürcht’ mi nit vor Ihnen!“ sagte sie mit leichtem Spott.
„Jetzt schauen’s amal so a Person!“ flüsterte die Patscheiderin ihrer Nachbarin zu. „So a Frechheit!“
Sophie hörte nichts, was die Damen leise miteinander verhandelten. Sie schaute nur fest auf die Apothekerin, die es innerlich schon zu bereuen begann, daß sie sich an die Sophie gewandt hatte. Der Ton, in dem das Mädel zu ihr sprach, war ihr entschieden unbehaglich.
„Also ...“ fuhr die Sophie energisch fort. „Damit Sie gleich alles wissen und Ihnen danach einrichten können ... der Herr Altwirth, Ihner Neffe, der hat die Staatsprüfung heut’ g’macht, und er hat sie nicht bestanden.“
Die Apothekerin warf einen triumphierenden Blick auf ihren Gatten, als wollte sie sagen: „Siehst, genau so, wie ich’s mir gedacht habe!“
Der Herr Apotheker Tiefenbrunner rief in ratloser Bestürzung: „Wa—a—a—s sagen’s da?“