Es war ein erlösendes, befreiendes Lachen, das sich nun allen mitteilte. Einem nach dem andern. Sie wußten nicht, worüber sie im Grunde lachten. Sogar Patscheider lachte mit und schließlich auch der Doktor Rapp.
„Warum wir jetzt eigentlich lachen, wissen wir zwar alle selber nit!“ äußerte sich der Patscheider über eine Weile und hielt sein Glas dem Rat Leonhard entgegen, um mit ihm anzustoßen.
„Wohl ... i schon ... i weiß es schon!“ meinte der alte Herr vergnügt. „I lach’ über Ihnen, Herr Patscheider. Grad’ über Ihnen!“ sagte er und nickte dem Kaufmann stillvergnügt zu.
„Über mich?“ tat der Patscheider verwundert. „Ja ...“
„Ja, über Ihnen, weil Sie so viel vergeßlich sind!“ Der alte Herr hob jetzt seinen Zeigefinger und sagte in eindringlichem, väterlichem Ton: „I mein’, Herr Patscheider, es sind doch immer Sie derjenige, der davonlauft bei einem Streit, nit der Doktor Rapp. Aber jetzt täten Sie den Spieß umkehren. Jetzt wär’s er auf einmal, der vor Ihnen die Flucht ergreift. Sie sind schon einer! A ganz a G’scheiter!“ Und neuerdings bekam der alte Herr einen Lachanfall. „Sie sind schon der Richtige, Sie! Aber so ist’s alleweil im Leben. Da schiebt man’s alleweil den andern in die Schuh’, was man nit gern zugibt.“
Patscheider mußte nun selber herzlich mitlachen. Er hatte heute entschieden seinen guten Tag und nahm nichts übel, was ihm der alte Herr unter die Nase rieb.
„Recht haben’s, Herr Rat, ganz recht!“ bestätigte er zustimmend. „Und jetzt, Sophie, bringst mir noch a Halbe Wein, weil wir so fein beisammen sind!“ sagte er vergnügt und zwinkerte dem Mädchen vertraulich zu.
„I bin nit per Du mit Ihnen!“ gab die Sophie schnippisch zurück.
„Macht nix. Was nit ist, kann noch werden!“ sagte der Patscheider. Er nahm heute einmal gar nichts krumm ...
Am Heimweg raffte der Apotheker Tiefenbrunner seinen ganzen Mut zusammen und erklärte seiner Frau mit aller Entschiedenheit, daß er mit oder ohne ihre Einwilligung den Felix „auf die Kunst“ studieren lassen werde. „Denn,“ sagte er, „i hab’ heut’ abend g’sehen, der Felix hat bei allen Herrn einen Stein im Brett. Und es könnt’ mich nur unbeliebt machen, wenn wir ihm das Geld zur Malerei nicht hergeben täten. Deswegen ist’s g’scheiter, wir fügen uns. Gelt, Alte?“