Der Kaufmann Patscheider äußerte sich abends beim Stammtisch ganz besonders scharf dagegen. So scharf, daß es endlich dem alten Rat Leonhard zu bunt wurde und er sich einmal über die Angelegenheit ausließ. Denn der Patscheider brachte es schließlich so heraus, als ob auf die Wirtin die Schuld an der ganzen Heiraterei fiele.
Frau Maria Buchmayr war wirklich so unschuldig wie ein neugebornes Kind. Als ihr die Sophie kündigte und um ihre sofortige Entlassung bat, weil sie heiraten müsse, da schlug die Wirtin in hellichter Verwunderung die Hände über dem Kopf zusammen und rief: „Ja, um Gotteswillen, Sophie, bist narrisch worden ... Jetzt auf einmal ... heiraten! Ja, wo hast denn du überhaupt an Mann auftrieben?“
Die dicke Wirtin war so aufgebracht, daß sie vor Empörung kaum Atem schöpfen konnte. So eine Rücksichtslosigkeit von dem Mädel! Sie im Stich zu lassen! Von ihr fort zu gehen! Wo es ihr doch so gut ging. Und alles nur, weil sie heiraten müsse. So was!
Die Wirtin war hochrot im Gesicht vor ehrlicher Entrüstung, und ihre dunklen Augen standen ihr heraus wie die schwarzen Tupfen auf den Fühlern einer Schnecke.
„Wirst dir wohl a recht’s Elend auftun!“ sagte die Wirtin in ehrlichem Zorn. „Ihr Madeln könnt’s es ja nie nit erleiden, wenn’s enk z’gut geht. Ganz wie bei die Goas. Wenn’s denen z’wohl ist, nacher kratzen sie sich, hoaßt’s. Und so ist’s bei enk aa!“ Frau Buchmayr stellte sich in ihrer ganzen Breite vor die Sophie hin und fuchtelte ihr mit den beiden fleischigen Händen erregt vor dem Gesicht herum. „Not und Elend wirst haben und an Haufen Fratzen. Und z’ruck wirst denken an mi und an Weißen Hahn, wie du’s da gut g’habt hast!“
„Ja, aber, Frau Buchmayr, Sie lassen Ihnen ja nit amal erzählen, wen i heirat’. Interessiert Ihnen denn das gar nit?“
„Naa!“ sagte die Wirtin zornig. „Gar nit! Wird schon a rechter Schlott sein, a Fallott, a ...“
„Sie, aber da wird der Doktor Rapp schauen, wenn i ihm das erzähl’. Er und a Schlott und a Fallott!“ lachte die Sophie laut und herzlich.
Die Wirtin mußte sich rasch nach einer Sitzgelegenheit schauen. Sonst wäre sie vor lauter Schreck umgefallen. „Wa—a—a—s!“ keuchte sie nach Luft schnappend und öffnete sich die beiden obersten Knöpfe ihrer Bluse; denn sie glaubte ersticken zu müssen. Dann wischte sie sich mit dem Rücken ihrer rechten Hand den Schweiß von der Stirn. „Wa—a—a—s sagst, der Doktor Rapp?“
„Ja freilich!“ nickte die Sophie bestätigend. „Wer denn sonst? Und bald wird g’heiratet. In vier Wochen bin i schon Frau Doktor. Gelt, da schauen’s!“ fügte sie mit einiger Schadenfreude hinzu.