»Moanst ... Kramer ...« begann er langsam und schwerfällig ... »'s könnt' der Vef lieb sein ... wann i bei die Kinder bleiben tat'?«

»I moanet schon!« bestätigte der Kramer gleichfalls sehr ernst und nachdenklich. Und wieder versenkte sich der Wastl in seine eigenen Gedanken.

»Leicht war's ... weil sie sich g'schamt hat mit mir?« fing er dann neuerdings zu reden an, und mit bangen Blicken schaute er auf den Kramer, um in dessen Gesicht die Antwort abzulesen.

»Kann sein!« bestätigte der Kramer kurz und hüllte sich leicht fröstelnd in den dunklen städtischen Überrock, den er auch hier noch immer zu tragen pflegte. »Kann sein.«

Der Wastl stützte die Arme schwer aufs Knie und verdeckte sich die Augen mit seinen beiden Händen. Und sagte lange nichts mehr.

»Wann i's wisset ...« hub er dann neuerdings sehr langsam zu reden an ... »ganz bestimmt wisset ... daß sie wieder kommet zu mir ...« heiser und gepreßt kam jedes Wort aus der Kehle des Mannes, so daß es war, als müsse er den Laut gewaltsam hervorstoßen ... »i bringet dös Opfer ... i tat's, Veit. War' hart ... aber i tat's!« wiederholte er dann noch einmal.

Er konnte sich eine Trennung von der Vef noch immer nicht vorstellen. Konnte nicht begreifen, wie sein Leben sein würde ohne dieses Weib, das ihn nach wie vor in allen seinen Sinnen gefangen hielt. Je abweisender die Vef mit ihm gewesen war, desto treuer und unterwürfiger war er ihr. Und je heftiger und glühender seine Sehnsucht nach ihr war, desto widerwärtiger wurde er ihr.

Auch der Tod ihres Kindes hatte da keine Änderung in ihren Gefühlen bewirkt. Folternde Gewissensbisse hatten das Weib in jener Nacht zu Füßen der Notburg getrieben. Reue und ein übermächtiges Mitleid mit dem kleinen Wesen, dem sie nie eine Mutter war. Aber ihr Durst nach Erleben, ihre Sehnsucht, zu genießen ... ein freies, unabhängiges Weib zu sein, waren so gewaltig und stark in ihr, daß sie jede andere Regung niederrangen und ertöteten ...

Als der Wastl und der Kramer Veit wieder aus der Gungl ins Dörfl zurückkamen, da hörten sie, daß die Vef mit ihren beiden Schwestern abgereist war. Und die Notburg überbrachte dem Wastl die Botschaft seines Weibes: er möchte ihr nicht folgen und ihr auch nichts verargen. Aber hierher zurückkehren würde sie nie mehr wieder.

Trotz aller guten Vorsätze, die der Wastl in der Gungl drinnen gefaßt hatte, traf es ihn doch recht hart. Er duckte sich, als ihm die Notburg in ihrer ruhigen und guten Art die Worte der Vef sagte, wie unter Peitschenschlägen und schaute die Notburg verstört und aus todwunden Augen an.