Eine breite Fahrstraße führte vom Tal herauf zu dem neuen Alpenhotel, das jetzt am Eingang des Dorfes erbaut worden war. Groß und schön lag es da, und sein Bau paßte sich der Gegend dieses Tales an.

Droben aber, an jener Stelle, wo der Wastl das Feuer angelegt hatte, stand eine stattliche Kirche. Weiß und freundlich und weit sichtbar leuchtete der spitze Turm ins Tal. Und viele kamen, um dort zu wallfahrten ...

Auch der Kramer Veit pilgerte dorthin. Fast jeden Tag, wenn die Sonne freundlich war und warm. Und wenn es ihm unten im Haus etwas zu lebhaft wurde vom reichlichen Kindersegen. War halt schon recht ... recht alt, der Veit, und sehnte sich nach Ruhe.

Hatte sein Geschäft in Richtigkeit gebracht, der alte Mann. Ob er's auch recht getroffen hatte? Die Bauerschaft mit Vieh und Stall und Äckern, das sollte dem Martl gehören, wenn der Veit einmal nimmer war. Die Villa aber und alles Geld, das er besaß, dem Andreas Siegwein und seiner Schwester.

Ob es so recht war? Gott allein wußte das. Er, der Veit Galler, der irrende Mensch, glaubte, daß es so gut sei. Und hatte es oftmals im Leben so geglaubt und trotzdem schlecht getroffen. Wie damals, als er sich barmherzig um das verlassene Regele angenommen hatte. Und war doch alles, was jener Tat entsprang, zum Unheil geworden.

Alles? Nein. Das fremde Büabl, das der Kramer Veit damals auf der Kraxen seinem Weibe in brennender Sonnenglut heimgetragen hatte ... das war zum Glück gewesen. Für ihn und die Notburg und für alle im Tal. Denn alle liebten sie den Priester Andreas Siegwein ... der den Stolz des wahren Menschentums erkannte ... barmherzig war und gut.

Veit Galler, der Krämer, aber wartete auf den Tod. Wartete ruhig und ohne Bangen ... wie auf einen lieben Freund. Saß droben auf der Bank vor der neuen Kirche und ließ die Sonne auf seine alten Glieder scheinen. Und sah hinüber zu den fernen Bergen. Hörte ganz matt nur mehr und gedämpft das Brausen der drei wilden Gebirgsbäche, die sich tief drunten im Tal zusammenschlossen, und fühlte den heiligen Frieden dieser Einsamkeit.

Dort, wo seine Villa stand ... da balgten sich die Kinder des Martl in den grünen Wiesen. Sie jagten die Kühe und trieben sie im Spiel. Herbst war's, und der Martl ackerte im Feld. Ging hinterm Pflug einher, mit schwerfälligem Schritt. Und sein junges Weib schritt vor ihm und führte den Ochsen. Trug ein helles Tuch überm Kopf als Schutz gegen die Sonne, die noch heftig brannte.

Wie wohl sie dem Greise tat, diese wärmende Oktobersonne! Und wie wohl der Frieden des Tales. Jetzt waren sie nun abermals fortgezogen ... die fremden Gäste ... und geheiligt war das Land.

Mächtig, majestätisch und groß standen die Berge. Und hatten einen Wolkenschleier ums Haupt gelegt. Wie eine Krone, aus der weiße Eiszacken frei und ungehemmt zum Himmel ragten. Wie eine Krone war's ... eine silbernschwere leuchtende Königskrone.