»Möcht' wissen, von was wir zwoa heiraten sollten! Du nix und i nix ... Das gab' a nette Wirtschaft ab! Nua ... i amal nit! Zuerst muß i wissen, wohin i nacher g'hör' ... sonst lass' i mi nit ein mit dir.«
Und dabei blieb's. Sie war viel vorsichtiger in der Liebe, die Genovefa Perlmoser, wie das kleine, dumme Regele. Freilich, das Regele war auch noch jünger, ein halbes Kind und daß der Florl so ungestüm war und es beim Küssen allein nicht bewenden ließ, das hatte sie wirklich zu Anfang ihrer Liebschaft nicht wissen können.
Aber schön war's doch gewesen!
Wenn das Regele genauer darüber nachdachte, wie das eigentlich alles so hatte kommen können, dann mußte sie immer wieder der verflixten Singerei die Schuld geben. Die und nichts anderes trug die Hauptschuld. Denn hätte die Perlmoser Vef das Regele nicht immer wieder geholt, daß sie mit ihr singe, dann hätte der Florl nicht die Gelegenheit gefunden für seine Annäherung.
Die Perlmoser Vef und das Regele konnten nämlich gar so schön zusammen singen. Und taten es auch gern. Schon von Kindheit auf übten die beiden Nachbarskinder die schönsten Lieder und Jodler ein. Das Regele sang mit glockenheller Stimme und nahm auch den höchsten Ton mit spielender Leichtigkeit, und die Vef hatte einen weichen, vollen Alt, der warm und innig klang wie der Ton einer Glocke aus edlem Metall.
An den langen Winterabenden saßen sie gar oft in der überhitzten Stube beim Perlmoser und sangen. Dann griff die Vef in die Saiten ihrer Laute, und oft spielte das Regele die Begleitung auf der Zither.
Die schönsten musikalischen Abende hatten sie da oben in ihrem einsamen Bergtal. Die Vef und das Regele waren so aneinander gewöhnt, daß sie vermeinten, die eine könne ohne die andere gar nicht so recht singen.
So war es denn auch die Vef gewesen, die das Regele immer wieder mit hinauf aufs Alpl nahm. Der Mutter war's freilich nicht immer recht gewesen. Man tut ja gern eine Gefälligkeit und erst gar den Nachbarsleuten; aber schließlich, das Regele war die Hauptarbeitskraft zu Hause, und daheim blieb dann die Arbeit liegen. Denn oft kam das Mädel tagelang nicht vom Alpl herunter.
Daß es da droben oft bis spät in die Nacht hinein lustig zuging, das wußte die Bäurin sehr wohl. Gar so lang war's ja schließlich nicht her, seitdem sie selber jung gewesen war. Und sie gönnte ihrem Mädel ja gern ein bissel Unterhaltung.
Singen und Zitherspielen und auch ab und zu ein bissel Tanz, was war da viel dabei. Die Mädeln gaben ja acht aufeinander, und das Regele konnte ja kaum noch als ein richtiges ausgewachsenes Dirndl gelten. Wenigstens sah die Mutter immer noch das Kind in ihr.