Der Florl und der Wastl waren beide auf je einer der Asten bedienstet. Den ganzen Sommer über waren sie da droben. Ein jeder von ihnen hatte etliche Stück Vieh zu betreuen und nebenbei Käse und Butter zu machen.
Arbeit gab's genug, und der Tag dauerte ihnen niemals lang. Ab und zu kam Besuch vom Tal herauf. Das waren die Knechte von den Bauern, welche die Butter und den Käse abzuholen hatten.
Aber noch andern Besuch bekamen die Burschen manchmal, der ihnen lieb war und den Tag verschönte.
Die Perlmoserischen von dem kleinen Hochtal unten, in dem das Regele daheim war, besaßen auch eine der fünf Asten.
Gerade zwischen dem Florl und dem Wastl seiner war die von den Perlmoserischen. Und da hauste der Jackl, der älteste Sohn des Perlmoser.
Da die Perlmoserischen keine fremden Dienstboten anstellten, mußten die Töchter, die dem Jackl im Alter am nächsten waren, diejenigen Arbeiten verrichten, die sonst von Rechts wegen eigentlich den Männern zukamen. Sie trugen in schwerbeladenen Kraxen Käse und Butter ins Tal und mähten mit kräftigen Armen, weitausholend das Gras der Almenmahd ihres Vaters.
Sie waren robuste, kernkräftige Mädeln, die drei Perlmoserischen. Ganz besonders aber die Genovefa Perlmoser, kurz Vef genannt.
Das war eine Freude, der bei der Arbeit zuzusehen. Wie die schaffen und tragen konnte mit ihren neunzehn Jahren! Hochgewachsen und üppig war sie, hatte hellblondes Haar mit dicken Zöpfen, ein zartrosiges Gesicht und hellblaue, lachende Augen. Lachen tat sie überhaupt gern, die Vef. Und zeigte dabei gesunde weiße Zähne und entzückende Grübchen in beiden Wangen.
Kein Wunder, daß dem Wastl die Vef so gut gefiel und daß er allen Ernstes daran dachte, sie zu heiraten.
Als der Wastl der Vef dies zum erstenmal sagte, da lachte das Mädel, daß man's weithin hören konnte.