Da war das Mädel davongelaufen, und kein Mensch hatte sie mehr zu sehen gekriegt.
Einige Tage nachher, als man auf die Suche ging, fand man den leblosen Körper des Mädels zerschellt im Bache auf. Von der Teufelsbrücke war sie herabgesprungen, und ohne Priester und ohne Gebet war sie in ungeweihter Erde begraben worden.
Zwei alte und einschichtige Bauersleute, ledige und ehrsame Jungfrauen, hatten sich um Gotteslohn ihres Kindes angenommen. Das Moidele hieß es und war ein scheues kleines Mädel mit einem dummen, ausdruckslosen Gesichtchen.
Hatte nicht viel Pflege, das Moidele, aber genug zu essen. Denn alte Jungfern, das weiß man wohl, können mit so kleinem Zeug nicht gut umgehen. Aber sie waren gut zu dem Kind; und wenn es böse Worte waren, die das Moidele zu hören bekam, dann waren es die Kinder aus der Nachbarschaft, die sie ihr nachriefen ...
Das Regele beugte sich vor über den Steg, so daß er stark schaukelte und sie ein leichter Schwindel überfiel.
Wenn sie es jetzt nun auch so machen würde wie die Mena? Ob es wohl sehr wehe tat ... ein Sprung da hinab ... und alles wäre zu Ende ...
Das Regele aber hatte den Mut dazu nicht. Sie hatte aber auch den Mut nicht, das auf sich zu nehmen, was die Mena auf sich genommen hatte.
Da droben, dort, wo der Florl das hoch emporlodernde Feuer entzündet hatte, das jetzt langsam zu verlöschen begann ... dort droben war es angegangen zwischen ihnen beiden.
Dort, wo heute abend die fünf Holzstöße flackerten, da standen fünf Almhütten. Eine regelrechte Siedelung war es, und die Leute hierzulande nennen diese Hütten nicht Almhütten, sondern Asten. Die Aste dient als Zwischenstation vom Tal zur Alpe. Wenn es am Joch noch zu kalt ist, dann weidet das Vieh auf der Aste. Das Heu der Almwiesen wird auf der Aste eingelagert.
Ein lustiges, reges Leben ist da mitunter im Frühjahr und im Herbst auf den Asten. Und gar erst da droben, wo fünf Asten in enger Nachbarschaft vereinigt waren. Da wird gesungen und getanzt und auf der Ziehharmonika oder Zither Musik gemacht.