In dem kindlichen Gesicht aber hatte das Regele einen kleinen, kirschroten Mund, dessen volle Lippen immer leicht fragend offen standen. Und diese leicht geöffneten Lippen erschienen dem Florl sehnsüchtig und hungrig und lockten ihn, sie einmal gewaltsam mit den seinen zu schließen.

Droben, wo das Feuerl heute abend zu höchst brannte, da war's gewesen, wo der Bursch keck und übermütig das Regele um die Mitte nahm, ihr das dunkle Köpfchen nach rückwärts bog und sie nach Herzenslust abküßte.

»Du ... lass' mi ...« wehrte sich das Mädel schwach. »I schrei ...«

»Schrei, wenn du kannst ... du ...« neckte sie der Florl übermütig und zog das zarte Geschöpf zu sich ins Gras herab. Dann nahm er sie wie ein Kind aufs Knie und busselte sie ab, daß ihr Hören und Sehen verging.

»Hätt' nit denkt, daß deine Busseln gar a so fein schmecken!« neckte er sie dann. »Völlig nit g'nug kunnt oans kriag'n davon.«

Dem Regele schienen die seinen gleichfalls sehr zu munden. Wenigstens machte sie keine Miene, sich aus seinen Armen loszureißen, sondern hielt ihm immer wieder ihr kirschrotes Mäulchen entgegen.

So nahm sich denn der Florl, was ihm das Mädel nicht weigerte. Eine richtige leichtsinnige Liebschaft war's. Das erste Erwachen der Sinne zweier unreifer Menschen.

Eine heiße Liebe war's, die an nichts dachte, keine Folgen fürchtete und nur dem seligen Augenblick sich hingab.

Am Alpl unten merkten sie von nichts. Die Vef konnte mit Recht die Söllerbäurin beruhigen. Das Regele war abends immer bei ihr und ihren beiden Schwestern, tanzte und sang mit ihnen und schlief mit ihnen in der niedern Holzkammer bis zum Morgengrauen.

Tagsüber jedoch, wenn sie das Dirndl bei der Arbeit glaubten, da fand das Regele immer einen Vorwand, sich von den übrigen abzusondern. Und die andern achteten nicht weiter auf sie. Was konnte man denn beim hellichten Tag anders tun als arbeiten?