Der Florl war keck genug und kam nun auch zu seinem Mädel, wenn sie drunten war im Elternhaus. Schlich zu ihr auf Umwegen und in der Dunkelheit der Nacht, trotz Wind und Wetter. Und im Winter machte er den weiten Weg zu ihr vom Tal herauf. Stapfte durch Schnee und Eis, und der Söllerbauer wunderte sich oftmals in der Frühe, wenn er die Haustür öffnete und den angefrorenen Schnee gewaltsam mit den Füßen von den Pfosten stieß, über die frischen Spuren.

»Wer ist denn grad wieder in der Nacht bei all'n Wind und Wetter da aufergangen? A so a damischer Loder ... a damischer!«

Und der Söllerbauer schüttelte unwillig seinen Kopf. »Dö jungen Leut' von heutzutags ...« und dann brummte er etwas in seinen struppigen, leicht ergrauten Bart hinein.

Sein Verdacht lenkte sich auf den Nachbarshof und auf die Perlmoserischen mit den drei bildsaubern Töchtern. Daß das Regele es war, die den Fensterlbesuch in der Nacht erhalten hatte, an das dachte kein Mensch am Hof, am wenigsten der Söllerbauer.

Die Sorge der Mutter um das Dirndl war behoben, sowie sie das Regele unter dem Schutz des väterlichen Daches wußte. Und gar so tief war die Sorge auch nicht gewesen. Die Bäurin hatte an mehr zu denken den lieben langen Tag, wie an das Regele.

Da schrie ein Kind und wollte betreut sein, und dort balgte sich ein anderes. Da hatte ein Bub ein Loch in die Hose gerissen, und dort stand eine Schüssel nutzlos herum und war im Wege. Da mußte man schimpfen und zanken und zwischendurch auch wieder ein bissel arbeiten und dann wieder nach dem Regele schrein, daß es helfe, die Schäden zu heilen.

In dem täglichen Ärger über Nichtigkeiten eines einförmigen Lebens kam die Frau gar nicht dazu, sich viel um ihre älteste Tochter zu bekümmern. Sie war bei ihr, und das genügte ihr. So bemerkte sie es auch gar nicht, daß das Mädel von Tag zu Tag blässer wurde und mager und schlecht auszusehen anfing.

Denn nun hatte es das Regele mit der Angst zu tun. Die Folgen ihres Leichtsinns waren nicht ausgeblieben, und lange dauerte es nicht mehr, dann würde ihre Schande offenkundig werden.

Das Regele wußte, daß der Vater sie in seinem Zorn halbtot schlagen würde, und sie fürchtete sich vor dem Ausbruch seiner Wut. So gutmütig der Söllerbauer für gewöhnlich war, so maßlos heftig konnte er im Zorne sein. Und das Regele wußte auch, daß sie von nun ab keine gute Stunde mehr bei der Mutter haben würde. Geächtet und verachtet würde sie herumgehen, wie damals die Mena.

Wenn das Regele dran dachte, daß sie nur mehr wenige Wochen ihre Schande würde geheimhalten können, dann überlief es sie eiskalt. Nur noch ein paar Wochen, und sie wußten es alle, wie es um sie stand ...