Weiter ging der Kramer bis vor sein Haus hin. Dort machte er auf der Holzbank Rast und stellte die Kraxe nieder. Wischte sich umständlich mit dem rotgeblumten Taschentuch den triefenden Schweiß von dem Gesicht und klopfte dann an das Fenster der Stube, wo die Notburg in einer Ecke über ihre Arbeit vertieft dasaß.

»Notburg!«

Die Notburg sah von ihrer Arbeit in der Stubenecke auf, legte dieselbe langsam aus der Hand, ging gemächlich und ohne Aufregung zu dem Fenster hin, öffnete es und versuchte den Kopf durch das vergitterte Fensterkreuz zu stecken. Sie sah die Kraxe auf der Bank unten vor dem Fenster stehen, sah, daß der Veit wieder einmal schwer aufgeladen hatte, und schaute in sein erhitztes, fröhliches Gesicht.

»Kommst nit einer?« fragte sie den Mann.

»Naa!« lachte der Veit breit zu ihr hinauf und zeigte fletschend seine gelbweißen Zähne, über die sich die wulstige Oberlippe weit nach oben schob. »Komm' du z'erst außer!« forderte er sie auf und machte dabei ein ganz pfiffiges Gesicht.

»Zu was denn?« frug sie mürrisch zurück.

Die Notburg war im Lauf der Jahre etwas dick und schwerfällig geworden und liebte es nicht, unnötigerweise von ihrer bequemen Ruhe aufgestört zu werden.

»I hab' dir was mitbracht, Notburg ...« sagte der Veit und dämpfte seine Stimme geheimnisvoll. »Geh' nur her da. Kimm ...« lud er sie ein und winkte ihr mit dem Finger seiner plumpen Hand. »Du kannst besser umgehen mit dem Zeug wia i. Bin froh, wenn i's abg'laden hab'!« fügte er erleichtert aufatmend hinzu und runzelte leicht die Stirne.

Da kam die Notburg aus der Ladentüre heraus. Langsam und gemächlich und gar nicht neugierig. Groß und stattlich stand sie unter der Türe im prallen Sonnenschein des Hochsommertages, und trotz ihrer vorgerückten Jahre war sie noch immer eine hübsche Frau.

Die schweren Zöpfe, die sie zur Krone gewunden um den Kopf trug, waren jetzt freilich viel dünner geworden, und das helle Aschblond ihrer Haare schimmerte im matten Grau. Das schwarze, schmale Samtband, das um den Scheitel gelegt war und über das sich die Haarkrone aufbaute, stand gut zu der grauen Farbe und verlieh dem Haar ein äußerst sauberes und ordentliches Aussehen.