»Jatz wohl!« meinte er erleichtert. »Und iatz kochst ihm a Milchele, dem Buab'n!« gebot er beinahe herrisch. »A Lungl hat dir der Bua g'habt unterwegs und a Kraft; möchst es nit glaben, daß der's Kind vom Söllerbauer sein Regele ist!« erzählte er dann auf seine laute, polternde Art.

Langsam war die Notburg mit dem jetzt kräftig schreienden Kind in das Haus hineingegangen und schaute unverwandt in das krebsrote Gesichtchen. In der Stube drinnen legte sie das Kind auf den Tisch neben die frisch gewaschene Wäsche, die zu einem Stoß aufgestapelt dalag. Dann machte sie sich daran, das Kind aus seiner warmen Hülle zu befreien.

Das Kind, das stundenlang der Sonnenglut ausgesetzt auf der Kraxe getragen worden war, dampfte förmlich in dem wollenen Tuch vor Hitze. Jetzt, da es frei und ledig auf dem Tisch lag, ließ es mit Weinen nach und streckte wohlig die rosigen Glieder. Dann steckte es das Fäustchen in den Mund, sog eifrig daran, öffnete verwundert die hellblauen Augen und starrte auf die fremde Frau, die sich zu ihm beugte.

»Mei' Häuterle!« flüsterte die Notburg weich. »Nit amal a ordentlich's Hemdl hat's an ...« sagte sie leise. »So a Häuterle, an arm's!«

»Gelt?« Der Veit war hinter der Notburg in die kleine Wohnstube getreten und stand jetzt neben seiner Frau. »A Häuterle ist's, gelt, Notburg?« fragte er und versuchte ihr in die Augen zu schauen. »Und gelt, i hab' recht g'habt, daß i dir's bracht hab'?«

Um den streng geschlossenen Mund der alternden Frau zuckte es leicht. »Was soll denn i damit anfangen?« frug sie schroff und ohne aufzublicken. »I kann nit umgeh'n mit Kinder. Hab's nia nit g'lernt.«

»Dös lernt sich schon!« versicherte der Veit, und seine Stimme klang so weich wie seit langen Jahren nicht mehr. »Wirst sehen, Notburg, wie schnell du dös kannst, dös Kinderwarten. Und wia gern du's kriegen wirst, dös Häuterle! Völlig wia a eigenes. Pass' auf!« Leicht legte der Veit seinen Arm um die Hüfte seines Weibes. »Und wenn i nit bei dir bin, Notburg, nachher ist dir nimmer so derweillang, wirst sehen. Hast was Lebendig's um dich, das di gern hat und um das di sorgen und kümmern kannst. Ist dir alm abgangen, a Kindl, Notburg ...« sagte er weich und fast flüsternd ... »Dir ... und mir aa! I gsteh's ein. Leicht hätt's mi leichter g'litten da heroben, wenn so a Kleinigkeit im Haus umanand g'wuzelt war'. Aber lass' lei, Notburg ...« wehrte er ab, als die Frau Miene machte, sich aus seinem Arm zu lösen. Nur noch etwas fester umschlang er sie, und es war lange her, daß die Stimme des derben Mannes so zart und innig geklungen hatte.

»Was uns der Herrgott nit g'schenkt hat, Notburg, das wollen wir uns iatz selber nehmen. Und wollen das Kindl da aufziechen und es ganz als wie's unsrige betrachten. Schau, Notburg ...« fuhr er leise redend fort ... »i werd' ja aa alleweil älter ... und gar so lang dauert's nimmer ... kimmt mir vor ... bis i wieder an Fried gib. Ziech mir'n auf, den Bub'n, Weibl ...« bat er warm und innig ... »damit wir im Alter no a Freud' erleben miteinander, gelt? Damit i aa weiß, für wem i mi g'rackert und g'schunden hab', und wem unser Sach' amal g'hört.«

Treuherzig und schlicht klangen die Worte des Mannes, und fest und warm preßte er die Hand seiner Frau, die kühl wie immer in der seinen lag.

Und der Veit versuchte es, ihr ganz so wie in früheren Zeiten in die Augen zu schauen. Aber die Notburg hielt den Kopf gesenkt und beugte sich tief über das kleine Wesen, das vor ihr auf dem Tische lag und behaglich mit den mageren Beinchen strampelte.