Sie beugte sich so tief über das Kind, die Notburg, damit der Veit nicht merken solle, daß ihr die Augen feucht wurden und ihr Mund krampfhaft zuckte vom verhaltenen Weinen. Aber der Veit sah es doch. Sah's und freute sich. Und tat, was er seit vielen ... vielen Jahren nicht mehr getan hatte. Er nahm die Notburg um die Mitte, bog ihr den Kopf zurück und küßte sie auf den Mund. Lange und innig ...

Und als der Herbst kam und Veit Galler abermals in die Fremde zog, da ging die Notburg ein weites Stück mit ihrem Manne. Fast bis ins Tal hinab. Und hatte kein wehes Gefühl des Abschieds im Herzen und fühlte sich auch nicht mehr so trostlos verlassen.

Mann und Frau hatten sich in diesen letzten Wochen ihres Beisammenseins wieder gefunden. Hatten wieder zueinander geredet wie in ihren Jugendtagen, hatten Pläne gemacht und von der Zukunft gesprochen.

Und die Notburg wußte und fühlte es jetzt mit Bestimmtheit: nur mehr etliche Jahrln, und der Veit würde bei ihr bleiben für immer.

Fünftes Kapitel

Veit Galler, der Krämer, war diesmal nicht allein fortgezogen aus der Heimat. Den Florian Siegwein hatte er mit sich genommen und damit im Dörfl ein übles Gerede angerichtet.

Sie waren schlecht zu sprechen auf den Kramer Veit, im Dörfl. Schon deshalb, weil er so gottlos gewesen war und das schlechte Mädel, das Regele, von der Straße aufgeklaubt hatte und sie jetzt irgendwo versteckt hielt.

Darüber erzürnten sich die Leute recht. Denn wenn ein Mädel wie das Regele, das beinahe selber noch ein Fratz war, so spottschlecht sein konnte und ein Kind bekam, dann gebührte ihr die öffentliche Schande. Wohin sollte denn das führen, wenn man so ein Mädel auch noch in Schutz nahm und sie der Strafe entzog?

Aber natürlich, der Kramer Veit! Der wußte und verstand wohl alles besser, was sich schickte, als wie Kirche und Geistlichkeit! War völlig ein Luthrischer oder gar ein Heid' geworden, der Kramer, und war kein ordentlicher Christenmensch mehr.

Die Notburg bekam manche bissige Redensart zu hören, weil sie das Kind vom Regele aufgenommen hatte. So was gab nur böses Beispiel und munterte förmlich zur Schlechtigkeit auf. Konnte ja alle ledigen Kinder aufnehmen, die Notburg, wenn sie schon solche Freude am Kinderwarten hatte.