Das und ähnliches sagten ihr die Nachbarsleute offen ins Gesicht. Aber die Notburg war keine, der man bissige Reden ungestraft hinreiben durfte. Kräftig und derb entgegnete sie den höhnischen Angriffen, und die Weiber wunderten sich nur, wie die Notburg doch immer wieder fest zu ihrem Manne hielt. Jetzt noch mehr denn zuvor, erschien es ihnen.

Sie fand es offenbar ganz in der Ordnung, daß sich der Veit so warmherzig um das Regele annahm, und sie begriff es auch, was sie alle nicht begreifen konnten ... daß er nun gar auch den Florl noch aus der Heimat fortlockte.

Was der eigentlich mit dem Burschen in der Welt draußen anfangen wolle, fragten sie immer wieder und schüttelten bedenklich die Köpfe. Gelernt hatte der Florl ja nichts und konnte wohl kaum seinen Namen richtig zu Papier bringen. Daß das mit dem Florl und dem Regele auf keinen Fall ein gutes Ende nehmen würde, das prophezeiten sie einmal alle im Dörfl.

Dem Kramer Veit war es zunächst selbst ein Rätsel, was er mit den beiden jungen Leuten eigentlich beginnen sollte. Und als er damals kurze Zeit, nachdem er das Kindl auf seiner Kraxe ins Dörfl getragen hatte, zu dem Florl aufs Alpl hinaufgestiegen war und ihm getreu alles von dem Regele berichtet hatte, da fuhr er sich wohl ein über das andere Mal bedenklich mit der Hand durch das schüttere, graumelierte Haar.

Neben dem Wasserle auf einer Steinplatte waren die beiden gesessen und etwas abseits von den Almhütten. Eine Holzröhre, vom Alter völlig mit Moos bewachsen, leitete quellendes Brunnwasser, und leise murmelte es durch die Röhre, plätscherte dann geschäftig als Brunnen, ergoß sich über die holprigen Steine und formte sich dann zu einem Bächlein. Brunnkresse, tiefblaue Vergißmeinnicht und sattgelbe Dotterblumen wuchsen am Rande des Bächleins, das die Bergmahd durcheilend ins Tal hinabrieselte.

»So, Bua ... iatz woaßt es, wie's steht!« sagte der Veit und stierte ernst und mit nachdenklichem Gesicht vor sich hin. »Und daß du's Dirndl heiraten mußt ... dös wirst einsehen.«

Forschend und scharf beobachtend sah er auf den Burschen, der ihm zur Seite saß. In kurzen, abgetragenen Lederhosen und mit nackten Waden und Füßen. Ein weißes Hemd, das jetzt nicht mehr weiß, sondern schmutzig grau aussah, ließ vorn die Brust entblößt, die vom Sonnenbrand braunrot wie die Haut eines Indianers geworden war.

Auf dem Kopf saß keck herausfordernd ein spitzes Filzhütl, das einmal wohl schwarz gewesen sein mochte, jetzt aber grünlich schillerte. Eine kurze weiße Hahnenfeder schmückte das Hütl und erhöhte noch das verwegene Aussehen des Burschen.

Er machte entschieden einen verwilderten Eindruck, der Florl, mit seinem ungepflegten, vollen braunen Haar, den listigen Augen und dem krausen Spitzbart, der das feine, sonnverbrannte Gesicht umrahmte.

Wie er so dasaß, die nackten Beine vom Quell des Wassers spielerisch berieseln ließ und sich dabei eifrig immer wieder die Füße wusch, schien es, als machte die Rede des Kramers nicht den geringsten Eindruck auf ihn. Und doch war der Florl ganz bei der Sache und heilsfroh, als er hörte, daß das Regele am Leben war.