Es war ihm recht, daß der Veit das Kind als sein eigenes behalten wollte und daß er das Mädel im Inntal draußen in einer Wirtschaft untergebracht hatte. Für eine Basl hatte der Kramer das Regele bei den Wirtsleuten ausgegeben.
»A Tochter von a meiniger Basl ... die heiraten soll und halt aa gern no eppas lernen möcht' ...« log er der Wirtin vor. Er kannte sie schon seit vielen Jahren, und da er bei ihr stets ein guter Gast gewesen war, hielt sie große Stücke auf den Veit. Sie fragte auch gar nicht lange nach der Herkunft des Mädchens, und es genügte ihr, daß das Regele eine Verwandte vom Kramer Veit war.
Arbeitskräfte konnte man in einem Gasthaus immer brauchen, und besonders zu Sommerszeiten, wo man noch dazu am Feld draußen alle Hände voll zu tun hatte. Die Wirtin lud daher das Regele recht freundlich ein, nur dazubleiben und halt überall zuzugreifen, wo sie eine Arbeit sähe.
»'s G'wand vom Dirndl bring' i aft schon her, bald i wieder kimm!« versicherte der Veit, indem er der Wirtin die Hand zum Abschied hinreichte.
Er hatte es recht eilig, der Kramer, wieder zur Haustüre hinauszukommen und zu seiner Kraxe, die er abseits vom Hause hatte stehen gelassen. »Denn sonst hätt' am End' der kloane Sakra 's schreien ang'hebt ...« erzählte der Veit lachend dem Florl ... »und nachher war's aus und g'fahlt g'wesen bei der Wirtin ... woaß man wohl!«
Der Florl erklärte sich mit allem einverstanden. Gern wolle er ja das Regele heiraten, meinte er zögernd, aber ... und dabei stockte er und rückte unruhig an seinem Filzhütl und schaute nachdenklich hinüber zu den schwarzgrünen Wäldern in der Tiefe und zu den Bergen hinauf, die im Hintergrund der drei Hochtäler sich noch majestätischer aufbauten wie drunten vom Dörfl aus gesehen.
»Aber?« forschte der Kramer Veit und sah mit seinen runden, etwas hervorstehenden Augen scharf beobachtend auf den Burschen. Seine wulstige Oberlippe war weit über die gelblichen Zähne emporgeschoben, so daß es aussah, als lache er. Er lachte aber nicht, der Veit, sondern war ernst und nachdenklich, wie er sich jetzt mit seinen beiden Händen schwer auf den dicken Stock stützte.
»Koa Geld, was?« forschte er dann über eine Weile.
»Ja!« nickte der Florl und schlenkerte die braunen, nackten Füße spielerisch im Brunnenwasser hin und her.
Dann saßen sie beide wieder eine Weile schweigend, und der Quell, der sie trennte, murmelte und brodelte im Holzrohr. Der Kramer Veit saß weit nach vorn gebeugt und stützte das kurze, massige Kinn auf die Hände, mit denen er den Griff des Stockes umklammert hielt.