„Mich hätt’s gefreut!“ antwortete sie leise.
„Kann man sich über leere Worte freuen?“
„Ah — wenn es nur leere Worte gewesen wären — dann gewiß nicht!“ Das klang zornig. Und als er zögernd fragte: „Wofür hätten Sie’s denn sonst gehalten?“, zuckte sie die Achsel: „Wenn Sie das nicht selbst wissen ... übrigens, ich hab’ auch ohne das gelebt!“
Mit einer schnellen Wendung kehrte sie sich von ihm weg.
Fritz konnte sich die plötzliche Ungnade nicht erklären. Und weit entfernt, den wahren Grund auch nur zu ahnen, ritt er sich mit seiner bärentatzigen Ehrlichkeit noch tiefer hinein: „Ich hab’ nichts Schlimmes dabei gedacht, Fräulein Eva. Ich hab’ nur gemeint, so durch einen Vermittler ... Wenn ich’s aber weiß ...“
Da unterbrach sie ihn bös: „Sie bilden sich doch nicht am Ende ein, daß ich um Ihren Gruß stehe? Den können Sie schon behalten. Mir liegt gar nichts daran!“, gab sich einen Ruck, warf den Kopf in den Nacken und rauschte stolz davon.
Fritz sah ihr nach, wie sie über den Hof ins Haus schritt und fühlte den zornigen Wunsch, ihr nachzustürzen, sie an den Armen zu packen und zu schütteln: „So versteh mich doch!“ Da drehte sich das Tor in quietschenden Angeln, fiel hinter dem blonden Fräulein ins Schloß. Und mit einem Male war der weite Hof mit den regsamen Arbeitern, den zahlreichen Fuhrwerken und den stampfenden Pferden öd und leer. Wie von fernher kommend rauschte der Lärm der Auflader an seinem Ohr vorüber. Und während Minute um Minute verrann, fühlte er erst noch dumpf, dann bewußter, deutlicher und erkannte endlich mit ganz scharfer Klarheit, wie es um sein Herz eigentlich stand.
Im selben Augenblick legte ihm der Kaufmann die Hand auf die Schulter.
„Nanu?“ sagte er. „Sie stehen ja da wie der steinerne Roland beim Röhrkasten!“
Fritz fuhr zusammen, schaute den gemütlichen Mann mit fremden Augen an.